KW 33, ab 14. August

14. August, Montag Shelburne

Die Traditionsschiffe scheinen uns zu verfolgen, während unseres Frühstücks laufen die ersten beiden der sogenannten „Tall Ships“ in Shelburne ein und legen an einer etwas entfernten größeren Pier an. Die See ist spiegelglatt, die Sonne scheint, also fahren wir mit Klein-Jabulo dorthin, um uns das Spektakel des Anlegens der beiden weiteren Schiffe aus der Nähe zu betrachten. Aus einer Kanone wird für jeden ankommenden Segler Salut geschossen und bis zum Anlegen spielt ein Dudelsackpfeifer schottische Weisen. Diverse andere kleine Boote wimmeln ebenso wie wir um die Traditionssegler.

Thilo fährt anschließend einkaufen, ich erledige Mails und die Blogschreiberei. Margit hat gemailt, dass sie sich die Sehnen im Fuß gezerrt hat und für ein paar Wochen außer Gefecht ist, wahrscheinlich kann sie am 2. September nicht nach New York kommen. Ich werde erstmal abwarten und dann entscheiden, was ich mache. Thilo kann bis zum 9. oder 10 September bleiben, im schlimmsten Fall muss ich dann alleine nach Virginia runter segeln. Vielleicht findet sich auch noch jemand anderes.

Da wir morgen die 180 oder evtl. sogar 250 Meilen nach Maine, je nach Wind kommen unterschiedliche Häfen in Betracht, in Angriff nehmen wollen, tanken wir vorsichtshalber noch 100 Liter Diesel nach, komplett aufgefüllt wird dann erst wieder in den USA, wo Treibstoff noch billiger ist. Beim Bezahlen im Yacht Club ist auch mein Brief mit der neuen Daten SIM-Karte eingetroffen. Ohne die hätte ich den USA immer nur im Bereich von WLAN Netzen kommunizieren können.

Nachdem wir JABULO mit meinem mustergültigen Ablegemanöver gegen starken Seitenwind von der Tankstelle frei bekommen haben, geht es wider an eine Mooringtonne. Ich fahre noch zur Carina rüber, um dort mitzuteilen, dass auch für sie ein dringend erwartetes Päckchen eingetroffen ist. James fragt nach unserem gestrigen Hummermenü. Als ich ihm erzähle, dass es wegen Hummermangels ausfallen musste, lacht er nur und schickt uns zum heute Abend aus Anlass des „Tall Ships“ Festes stattfindenden Dorffest. Dort gäbe es Hummer bis zum Abwinken. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen, es herrscht ein riesiger Andrang, doch nach einer halben Stunde Anstehen gibt es tatsächlich für nur 20 CAD$ (14 €) einen kompletten Hummer mit Beilagen, Saft und selbst gebackenem Blaubeerkuchen als Nachtisch. So kommt Thilo doch noch zu seinem ersten Hummer.

Da wir morgen sehr früh los wollen, gehen wir um 10:00 Uhr schlafen. Kaum haben wir die Tür zu gemacht, knallt es draußen wie aus Kanonen. Direkt vor unserem Liegeplatz veranstaltet Shelburne ein gigantisches Feuerwerk, das gut 20 Minuten anhält. Dann hat die Feuerwehr ihr Pulver verschossen, alle möglichen Boote, die um uns herum gelegen haben, starten die Motoren und fahren gen Heimat, dann ist Nachtruhe.

15. -16. August, Dienstag, Shelburne nach Southwest Harbor 170 nm

Um halb sieben klingelt der Wecker, nach einem Blitzfrühstück machen wir uns von der Tonne los und fahren hinter der Carina her, die eine halbe Stunde vor uns aufgebrochen ist. Wir brauchen knapp 2 Stunden, um aus der Bucht raus zu kommen, im Kanal vor der Einfahrt können wir um 10:00 Uhr die Segel setzen, ein Motor läuft noch mit, der Wind ist zu schwach. Ab ca. 14:30 segeln wir sehr hoch am Wind ohne Maschinenunterstützung. Unseren Sollkurs von 265° nach Rockland können wir bei 40° am Wind bis um 17:00 Uhr halten, dann dreht der Wind langsam von Südsüdwest auf Südwest und wir müssen uns mit dem Kurs von um die 290 ° zufrieden geben. Dafür wird er aber stärker bis zu 15 kn, JABULO läuft mit 6-8 Knoten in Richtung Desert Island, das war ohnehin unser Ausweichziel.

Draußen herrscht seit dem späten Nachmittag dichter Nebel, als es dunkel wird, beliebt das so. Jetzt sehen wir nicht mal mehr den Nebel. Für Thilo ist dies heute die erste Nachtfahrt, es kommt ihm doch unheimlich vor einfach so „blind“ weiter zu segeln. Nach dem Abendessen setzen wir uns in den Salon und sehen uns den allerersten Django-Western mit Guiliano Gemma an. Für Thilo ist das noch schräger, mit einem schwimmenden Wohnzimmer gemütlich fernsehend ins Unbekannte zu segeln.

Nach dem Film, ab 22:00 Uhr, übernimmt Thilo die erste Wache, ich kann aber nicht richtig schlafen und schicke ihn deshalb um 23:30 in die Koje. Mal sehen, wie lange ich es aushalte. Der zunehmende Wind alleine kann nicht die Ursache für das immer stärker werdende Schaukeln bzw. Aufschlagen auf die Wellen sein, irgendwo weit draußen muss es kräftig gestürmt haben. Um 03:00 Uhr fallen mir die Augen zu und ich wecke Thilo. Der Nebel ist weg, der Halbmond scheint und es ist merkbar wärmer geworden. Um 06:00 Uhr nach drei Stunden Halbschlaf, bei dem trotz Wetterbesserung anhaltendem Krach und Gerüttel schläft man nicht wirklich tief, bin ich wieder dran. Thilo hat mir extra einen Kaffee gekocht, danke dafür.

Wir befinden uns jetzt bereits dicht unter der Küste von Maine, ich stelle alle Uhren um eine Stunde zurück, wir sind in der neuen Zeitzone angekommen. Nach 4 Stunden, also um 09:00 Uhr lokal, kommt wieder Nebel auf und der Wind schläft ein. Ich berge alleine die beiden Segel und fahre mit der Backbordmaschine bei niedriger Drehzahl weiter. Deren Geräusch sollte Thilo, der auf Steuerbord wohnt, nicht wecken, ich lass ihn schlafen. Leider geht es jetzt wieder los mit den elenden Fischerbojen, außerdem höre ich um mich herum die Motoren der Fischerboote, sehen kann ich aber keines. Angestrengt nach vorne sehend, manövriere ich JABULO um die Bojen herum. Das nervt ungeheuer, weil man sie im Nebel erst im letzten Augenblick sieht.

Gegen 11:00 ist der Nebel weg, die Küste liegt spektakulär vor uns, ein Anblick wie in Kroatien. Thilo hat auch endlich ausgeschlafen, er macht uns noch ein zweites Frühstück und dann übergebe ich das Ruder. Ich lege die neue SIM-Karte ins Smartphone und versuche ein Netz zu bekommen, was aber erst ca. 10 km vor der Küste gelingt. Ich unternehme mehrere Versuche, die amerikanische Customs & Border Police anzurufen. Endlich klappt es, ich übermittle per Telefon die notwendigen Angaben. Dann werden wir angewiesen, in Southwest Harbor vor Hinckleys Werft zu warten, bis ein Beamter vor Ort ist. Die fehlenden 7 Meilen bis dorthin sind ein einziger Spießrutenlauf durch die Bojenfelder, die überall im Zick-Zack ausgelegt sind.

Wir machen provisorisch an einer der Tonnen der Werft fest, nur eine Viertelstunde später ist der Zollbeamte da, wir fahren an den Steg rüber. Erst als der Zollbeamte es uns förmlich erlaubt: „Now you may step down“ springe ich auf die Pier, um ihn zu begrüßen. Wäre ich ohne Aufforderung gesprungen, hätte das den Tatbestand der illegalen Einreise erfüllt. Er kontrolliert die Pässe und fragt, ob wir Waffen oder andere anmeldepflichtige Waren an Bord hätten. Da Thilo mit einem Schiff eingereist ist, hätte er eigentlich ein Visum in Deutschland beantragen müssen, die ESTA-Geschichte ist nur für Flugreisen gültig. Er stempelt dennoch einen Einreisevermerk in Thilos Pass, das war’s, auf eine Untersuchung des Schiffes verzichtet der Mann großzügig, wir sehn offenbar ehrlich aus. Eine letzte Ermahnung hat er noch: Wir sollen alles Gemüse und sonstige kanadische Lebensmittel selbst essen und sie ja nicht an Land bringen. Dann sind wir legal in den USA.

Wenn wir schon an der Pier liegen, können wir auch gleich volltanken. Es gehen aber nur 60 Gallonen, etwa 240 Liter, in den Tank, wir konnten ja den größten Teil der Überfahrt segeln. Ich bezahle und buche für 2 Nächte eine Mooringtonne, wir haben um die 15 kn Wind und das soll nachts auch so bleiben. Nun stellt sich die Frage, wie wir bei diesen 15 kn exakt von der Seite wieder von der Pier wegkommen. Einer der hilfsbereiten Werftmitarbeiter fragt, ob wir ein Bugstrahlruder hätten um uns abzudrücken. Ein anderer bietet an, uns mit seinem 300 PS Schlauchboot raus zu ziehen. Aber wozu haben wir einen Katamaran mit 2 Schrauben. Eindampfen in die Vorspring funktioniert immer und mit dem Kat noch besser. Wie im Lehrbuch drehe ich JABULO mit gegenläufig drehenden Propellern mit dem Heck um 45° von der Pier weg. Dann rückwärts Vollgas geben und wir gleiten sauber gegen den Wind ins Freie. Die Leute auf der direkt hinter uns geparkten 60“ Yacht schauen gebannt zu, da sie wohl Angst um ihr Schiff haben. Aber alles klappt wie nach Vorschrift, mit dem Manöver kriegen wir jeden DSV Segelschein. Direkt neben der ebenfalls an einer Mooring liegenden TANAMERA legen wir an einer Boje an, das war’s dann für heute, 170 nm in einem Stück.

Birthe und Wolfgang warten nur noch auf die Befüllung ihrer Propangasflasche, dann wollen sie den Fjord von Desert Island raufsegeln und dort ein paar Tage ankern. Sie verabschieden sich von uns, wir werden uns schon wieder irgendwo treffen. Inzwischen ist es fünf Uhr geworden. Da ich auf dem Hinweg schon mal mit Andreas hier war, müssen wir nicht lange nach dem Dinghi-Dock suchen. Wir brauchen noch ein paar Sachen für das Abendessen. In einem kleinen Laden erstehen wir Hähnchenfilets, Thilo kocht daraus ein Hähnchencurry mit Reis und demonstriert dabei ungeahnte Fähigkeiten. Wenn seine Freundin das hier liest, hat er den Job als Koch für immer an der Backe. Außerdem kaufen wir noch ein paar ganz und gar unverzichtbare Dinge wie Bier und Rum. Aus letzterem bereite ich uns als Aperitif je einen Ti’ Punch. Angesichts der kurzen vorherigen Nacht gehen wir richtig früh schlafen.

17. August, Donnerstag Southwest Harbor

Thilos jugendlicher Elan ist nicht zu bremsen. Direkt vor uns, auf der anderen Seite der Bucht liegt der Acadia Nationalpark, der zum Wandern einlädt. Dort gibt es Berggipfel, die es zu erklimmen gilt und Seen, die man umwandern muss. Nach dem Frühstück geht es los, wir packen Müsli-Riegel, Kekse und Trinkwasser ein und brettern mit dem Dinghi los. Es sind gut 3 nm bis zur Bucht von Seal Harbor, wo sich ein Eingang zum Park befindet. Unterwegs messe ich mit meinem Smartphone die Geschwindigkeit von Klein-JABULO, es sind beachtliche 35 km/h, das sind knapp 19 kn, so schnell muss unser Kat erstmal segeln.

Wir schließen das Dinghi am öffentlichen Dinghi-Dock an und marschieren los. Am oberen Ende der Bucht gibt es einen echten Sandstrand, es sind sogar einige wenige Mutige dabei, die in dem kalten Wasser baden gehen. Direkt auf der anderen Straßenseite geht es den Berg rauf in den Nationalpark. Zuerst folgen wir der Straße und halten den ganzen Verkehr auf, weil wir wegen des fehlenden Fußwegs auf der Straße laufen müssen. Nach einer halben Stunde schlagen wir uns links in die Büsche bis wir zu einem Wanderweg kommen.

Fünf Kilometer später, über gut ausgebaute Wanderwege, erreichen wir den Jordan Pond Lake, an dessen Südufer ein riesiges Restaurant mit einem Souvenirshop hingebaut wurde. Dazu gehört der obligatorische Riesenparkplatz. Wir wandern ein Stück am Seeufer entlang, der See dient als Trinkwasserreservoir, deshalb darf man darin nicht schwimmen. Bootfahren ist allerdings bis zu 10 PS erlaubt. Lustigerweise enthalten unsere mitgebrachten Wasserflaschen Wasser von diesem See. Wir haben sie in Annapolis gekauft und über Kanada wieder hierher zurück gebracht. Was für ein Unsinn, oder?? Bereits auf dem Anstieg hat meine eine Wade angefangen zu schmerzen, mit der Zeit tut es so weh, dass ich die 5 km wieder runter nur ungern laufen würde. Zum Glück gibt es einen kostenlosen Bustransfer nach Seal Harbor. Um ca. 4:00 Nachmittags sind wir wider auf JABULO zurück, die Fahrt mit dem Dinghi gegen die Welle hat uns ziemlich nass gespritzt und durchgeschüttelt.

Wir müssen trotz schmerzender Wade noch einmal los, und zwar zum Supermarkt, der leider fast 2 Meilen (ca. 3km) vom Bootssteg entfernt ist, aber unsere Vorräte sind am Ende. Schwer bepackt schleppen wir uns den ganzen langen Weg wieder zurück. Als Belohnung gibt es zum Abendessen gegrillte Steaks mit Folienkartoffeln, was wir gemeinsam auf dem bordeigenen Kohlegrill zubereiten. Dazu gibt es gekühlten Chardonnay.

Wir haben an der Mooringtonne Internetzugriff der Hinckley Werft, ich empfange eine Mail von einem jungen Pärchen, Laura und Lukas, die sich gerade auf dem Appalachian Trail befinden. Dies ist ein 3000 km langer Wanderweg von Virginia bis nach Maine. Die beiden haben es bis nach New Hampshire geschafft und können nicht mehr weiter laufen. Jetzt fragen sie an, ob sie wohl bei uns wieder mit nach Süden segeln können. Ich sende ihnen eine vorläufige Zusage, vielleicht ist das ja die Lösung meines Crew-Problems.

18. August, Freitag Great Cranberry Island

Es ist saukalt am Morgen, der Wetterbericht kündigt für den Nachmittag Regen an. Thilo will trotzdem die Gipfel des Nationalparks erklettern. Zuerst allerdings versetzen wir JABULO um einige Kilometer von der Mooringtonne nach Osten, hinter Cranberry Island. Die Gebühren von 35$ können wir uns sparen. Dort ankern wir auf 10 m Wassertiefe und müssen leider feststellen, dass der Kettenhaken des Hahnepots irgendwie verloren gegangen ist. Als provisorische Lösung knote ich eine Leine in die Kette, die mit dem Hahnepot verbunden wird. So kann das Schiff nicht an der Ankerwinsch hängen.

Thilo hat mittlerweile seine Wandersachen gepackt und fährt mit Klein-JABULO wieder nach Seal Harbor. Ich korrespondiere mit Laura und Lukas, wir verabreden, dass sie am Sonntagnachmittag in Rockland an Bord kommen. Das wird sicher eine spannende Reise, zwei Ingenieure zusammen  mit zwei vegetarischen Sozialarbeitern auf einem Schiff.

Das Wetter wird immer schlechter, es beginnt zu regnen. Die Wolken hängen so tief, dass sie fast schon zu Nebel werden. Ich setze für heute Abend den Pizzateig an nachdem ich den Blog bis zum gestrigen Tag geschrieben habe, lese ich ein paar Seiten bis Thilo zurück kommt. Er ist ziemlich nass, hat aber zwei der Gipfel im Nationalpark erklettert. Und Klettern ist der richtige Ausdruck, die Wege sind zwar mit blauen Farbstrichen auf den Felsen markiert, aber es geht über Stock und Stein, an einigen extremen Felseinschnitten sind Leitern installiert. Für Leute wie mich mit der lädierten Wade wäre das nicht zu schaffen gewesen.

Um sieben Uhr gibt es Pizza mit Thunfisch, Zwiebeln und Kapern. Leider hat der Gasbackofen etwas wenig Leistung, um den Teig richtig durch zu backen. Aber es schmeckt trotzderm prima. Beim nächsten Mal müssen wir während des Backens das Blech umdrehen und von oben nach unten umpositionieren, dann sollte es besser werden. Nachdem Essen sehen wir uns wieder einen Western an, diesmal mit Klaus Kinski, der als Kopfgeldjäger jede Menge Leute ermordet.

Während des Films wird der Wind immer stärker, JABULO beginnt zu schaukeln, so stark werden die Wellen. Der Windanzeiger geht auf 12-18 kn, in Böen bis zu 25 kn. Das ist für den Anker eine echte Herausforderung. Wie überlegen, ob wir abwechselnd die Nacht über wach bleiben müssen. Dann finden wir aber im Navigationsprogramm OPEN-CPN eine Funktion Ankeralarm, die an unserer Stelle wacht und uns beim Abtreiben sofort weckt.

19. August, Samstag von Great Cranberry Island nach Rockland 53 nm

Der Anker hat gehalten, es gab in der Nacht keinen Alarm. Der Wind hat sich vollständig gelegt, es herrscht mal wieder dichter Nebel. Kurz nach acht Uhr fahren wir mit beiden Motoren los, außerhalb des Westkanals steht eine gewaltige Dünung, die von irgendwo weiter entfernt herkommen muss. JABULO macht sehr unangenehme Bewegungen. Der Nebel lichtet sich kurz nach der Abfahrt ein wenig, sodaß wir wenigstens die vielen Fischerbojen erkennen können, zwischen denen wir im Dauerslalom hindurch manövrieren. Nach ein paar Stunden beruhigt sich auch das Meer und liegt wie Blei vor uns. Der Nebel geht in Dunst über, die Sonne kommt von oben durch und taucht alles in grelles weißes Licht. Trotz Sonnenbrille ist das ständige Ausschau Halten nach den Bojen sehr anstrengend, so ungefähr muss Schneeblindheit sein. Nach einer ansonsten unspektakulären Fahrt laufen wir um ca. 17:00 Uhr in die riesige Bucht von Portland ein. Im Ankerbereich liegen zufälligerweise 3 Katamarane vor Anker, wir legen uns dazu. Direkt neben uns ankert die Mithril, ein Prout Katamaran unter englischer Flagge, der im Mai ebenfalls in der Stingray Werft auf dem Trockenen lag. Das englische Eignerpaar kommt mit dem Beiboot zu uns rüber, um kurz Hallo zu sagen. Thilo macht auf der Suche nach einem Internet-Netz noch seinen üblichen abendlichen Erkundungsausflug mit dem Dinghi und kehrt erst im Dunkeln zurück.

20. August, Sonntag Rockland

Gestern haben wir den Backbordtank mit ca. 300 Litern Frischwasser gefüllt, der Wassermacher war die ganzen 9 Stunden lang in Betrieb. Deshalb haben wir heute ausreichend Wasser für einen ordentlichen Schiffsputz. Nach einem Regen- und einem Nebeltag ist im Schiff alles klamm, wir räumen alle Sitzkissen aufs Vorderdeck. Die Bettdecken kommen auf die Leine zum Auslüften und Trocknen, Thilo wäscht ein paar Sachen durch. Dann beginnt die Säuberungsaktion, wir arbeiten uns mit Besen, Wischlappen und Feudel von vorne nach hinten duch. Zuletzt kommt das Achterdeck dran. Gegen 3 Uhr haben wir es geschafft, JABULO ist sauber.

Um viertel nach vier kommen Laura und Lukas mit dem Bus am Fährterminal an, deshalb packen wir eine halbe Stunde vorher den Müll ins Dinghi und setzen über. Am Restaurant neben dem Dinghi-Dock spielt eine kleine Rockband, Live-Musik hat anscheinend einen hohen Stellenwert. Eigentlich wollte ich mich hier ins WLAN hängen und mit Margit telefonieren, wie es jetzt mit ihrem verletzten Bein weitergeht, aber die Musik ist zu laut. Also spazieren wir langsam in Richtung Fährterminal. Auf halbem Wege kommt ein Anruf von Lukas, den ich irgendwie nicht annehmen kann, egal, in 10 Minuten sind wir ohnehin dort. Die beiden warten dort mit ihrem Wandergepäck auf uns. Gemeinsam gehen wir die paar hundert Meter zum Dinghi, unterwegs kaufen wir noch ein wenig Obst und Gemüse ein.

Keiner der beiden ist je zuvor in einem Gummiboot mit Außenbordmotor gefahren und sie betrachten skeptisch das kleine Ding. Aber wir haben zu viert ausreichend Platz, auch die Rucksäcke passen noch rein. Dann geht es ab in Richtung JABULO, die ganz weit draußen ankert. Thilo gibt Vollgas, es dauert bei der vollen Beladung etwas bis Klein-JABULO ins Gleiten gerät, aber der 15 PS Motor schafft es locker. Laura schaut ein wenig ängstlich und hält sich krampfhaft fest. Wir kommen natürlich heil und nur ganz leicht nass gespritzt an: Willkommen an Bord von JABULO-Reisen. Die beiden richten sich erstmal ein, Thilo hat netterweise die Steuerbord-Doppelkabine geräumt und ist nach achtern umgezogen. Dann folgt eine kurze Einweisung in die wesentlichen Bedienungshandgriffe wie Beleuchtung, Wasserhähne und Toiletten.

Laura und Lukas studieren Sozialwissenschaften und haben sich ein halbes Jahr Auszeit genommen, um zu Fuß den Appalachian Trail entlang zu wandern, der von Georgia bis nach Maine verläuft. Sie haben es bis nach New Hampshire geschafft, das sind immerhin 2000 km. Der Trail wird von Freiwilligen instand gehalten und markiert. Zum Teil gibt es Unterstände zum Übernachten, meistens wird allerdings gezeltet. Auf dem Trail sind jedes Jahr Tausende von Luten unterewegs, die entweder die ganze Strecke oder auch nur Teile laufen. Man schafft am Tag 30-50 km und benötigt dafür um die 4.000 Kalorien an Nahrung, die zusätzlich zu Zelt, Schlafsack, Kleidung und sonstiger Ausrüstung mitgeschleppt werden muss. Wasser gibt es meistens in Bächen in ausreichender Menge, allerdings empfiehlt sich ein Sterilfilter. Nachts muss das Essen bärensicher an einer Leine in einen Baum gehängt werden. Der Trail verläuft überwiegend im Wald unter Bäumen, man läuft meist im Schatten. Wer sich dafür interessiert, findet alles Wissenswerte unter http://www.appalachiantrail.org

An Bord einer Yacht zu sein, ist eine komplett neue Erfahrung für beide, sie haben keinerlei Segelerfahrung. Wir werden sehen wie es klappt. Beide sind gemäßigte Vegetarier, deshalb kochen wir für heute abend alles, was wir noch an Gemüse haben, zu einer Sauce zusammen, die uns mit Kartoffeln zusammen gut schmeckt. Morgen wird neu eingekauft.

 

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