KW 32, ab 07. August

07 August, Montag Halifax

Heute ist Feiertag in Kanada, welcher genau, weiß ich nicht. Damit haben die Super-märkte erst um 12:00 Uhr mittags geöffnet und schließen bereits um 18:00 Uhr wieder. Wir frühstücken in Ruhe, Thilo will eine Erkundungsfahrt im Nordwestarm unter-nehmen. Dazu muss er das Dinghi erstmal nachtanken. Während er sich auf den Weg macht, schreibe ich den aktuellen Blogtext und bereite die Aktualisierung der Webseite vor. Außerdem suche ich endlich die Bilder für den Blog raus und komprimiere sie, damit sie gut hochgeladen werden können.

Am Nachmittag geht es dann einkaufen, wir kaufen für ein paar Tage ein, am Ende haben wir soviel, dass wir kaum alles tragen können. Nach dem Bezahlen setze ich mich noch an einem der Bistro-Tische hin und lade die neuen Texte hoch und das neueste Wetter runter. Thilo ruft zu Hause an und informiert alle dort über seine sichere Ankunft.

Zurück auf JABULO versucht er sich als Koch und setzt eine große Portion Bolognese-Sauce an. Für einen ersten Versuch eines nach eigener Aussage kochunkundigen ist das Ergebnis ganz passabel, auf jeden Fall reicht es für länger als eine Mahlzeit. Die Reste wird er sich in den nächsten Tagen als Zwischenmahlzeiten aufwärmen.

08. August, Dienstag Halifax

Für heute ist Regen angesagt, leider stimmt der Wetterbericht diesmal. Wir nehmen den Bus bis zur Stadtbibliothek, das dortige freie WLAN ist leistungsfähig genug fürs Hoch-laden er Bilder. Aber es  braucht dann doch fast 2 Stunden mühsamer Kleinarbeit, nur die Fotos der ersten Wochen richtig einzubinden und zu formatieren. Dann ist der Akku leer. Thilo hat trotz Regens in der Zwischenzeit den gegenüberliegenden Park aufgesucht.

Von der Bibliothek aus kann man zu Fuß zum Hafen hinunter laufen. Dort ist wegen des strömenden Regens nicht viel los, die Biergärten sind verwaist, die am Wochenende lange Schlange am Eisstand verschwunden. Wir spazieren trotzdem einmal an der Promenade entlang; über den provisorischen Schwimmsteg gelangen wir zum Seefahrts-museum. Andere Besucher hatten dieselbe Idee wie wir, es ist jede Menge los, die Leute drängen sich um die Exponate.

Das Museum widmet sich der seemännischen Vergangenheit von NOVA SCOTIA, es beginnt mit einer Ausstellung historischer Boote, wie man sie früher in der Region gebaut und zum Fischefangen und auch damals schon zum Spaßsegeln verwendet hat. Der gewaltigen Explosion eines Munitionsschiffes im Hafen von Halifax 1917 ist eine eigene Ausstellung gewidmet. Damals sind knapp 2.000 Menschen ums Leben gekommen, die Trümmerteile sind mehrere Kilometer weit geflogen.

Im Obergeschoss gibt es eine TITANIC Ausstellung, die allerdings nur wenig echtes Anschauungsmaterial bietet. Wie soll es auch anders sein, es ist ja alles mit unter-gegangen. Immerhin einige geborgene Originalgegenstände sind zu sehen, der Rest ist eine gut gemachte Schau mit Fotos, Zeichnungen und Schautafeln. Gleich nebenan sind Stücke aus der Zeit der Segelei aufgebaut, man bekommt einen guten Eindruck davon, wie es im Inneren so eines Großseglers ausgesehen hat. Das Ende der Frachtsegelei war um 1900 herum gekommen, die Zeit der Sportsegelei wurde eingeläutet durch Joshua Slocum, der 1895/96 als erster mit einem selbst gebauten Segelboot einhändig um die Welt gesegelt ist. Ihm ist ein eigener Schaukasten gewidmet, da er in Nova Scotia gelebt hat. Nach diversen Weltumsegelungen als Kapitän von Frachtschiffen, nach Schiff-brüchen und Pleiten hat er die für damalige Verhältnisse wahnwitzige Idee der Einhand-Weltumsegelung in die Tat umgesetzt und wurde damit in seiner Heimat zur Legende. Als 65-jähriger ist er wieder mit seiner bewährten „Spray“ auf große Fahrt gegangen und damit auf See geblieben.

Der letzte Ausstellungsbereich enthält diverse bis zu 5 Meter lange detailgetreue Modelle von Dampfschiffen aller Größen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Kanada gebaut oder zumindest dort betrieben wurden. In einigen Modellen stecken Abertau-sende von Arbeitsstunden, jedes Teil ist exakt nachgebaut.

Inzwischen ist es nach fünf Uhr, draußen regnet es immer noch. Wir finden den Buch-laden, in dem es gebrauchte Taschenbücher gibt und ich decke mich neu ein. Direkt gegenüber ist eine Bushaltestelle. Beinahe jeder Bus in Halifax fährt nahe zu unserem Liegeplatz, der befindet sich nämlich in der Nähe eines großen Bahnhofs, der Mumford Station. Wir gehen von dort noch zu Walmart, Motorenöl für die Motoren kaufen. Und weil wir gerade dabei sind, nehmen wir im Liquor-Store nebenan auch noch Schmieröl in Form von Bier für die Besatzung mit.

Ich koche einen großen Vorrat an Kartoffeln, heute Abend gibt es Kartoffeln mit Gemüse-Ratatouille, morgen wird aus dem Rest Kartoffelsalat werden. Zum Nachtisch gibt es Ananas mit Yoghurt. Weil es draußen immer noch nass ist, sitzen wir anschließend im Salon und schauen uns bei Glühwein die erste Hälfte einer 4-stündigen Dokumentation über James Cook an, der als Erster die Welt systematisch erkundet und vermessen hat.

09 August, Mittwoch von Halifax nach Lunenburg 48 nm

Die TANAMERA ist bereits gestern verschwunden, um 09:00 Uhr lichten auch wir nach fast 3 Wochen Liegezeit bei Windstille den Anker. Gleich außerhalb des engen Meeres-arms übt Thilo JABULO unter Motor zu manövrieren und die berühmte Über-Bord-Boje so anzufahren, dass ich sie mühelos an Bord holen kann. Da Thilo viel Erfahrung mit Segelbooten hat, gelingt das auch beim zweiten Anlauf prima.

Auf den ersten Meilen bis zum Ausgang des Kanals von Sambro reicht der Wind nicht aus, bzw. er kommt genau von vorne, wir müssen mit Motor fahren. Nach dem Mittag setzen wir beide Segel und JABULO rauscht sehr hoch am Wind mit 7-8 kn Geschwindig-keit bei nur 12-15 kn Wind gen Südwesten. Leider ist um halb vier Uhr nachmittags Schluss mit dem Segeln, obwohl der Wind immer stärker wird. Da er aber direkt von vorn kommt, müssen wir für eine Stunde die Segel bergen und mit Motor bis ums Eck der Bucht von Lunenburg fahren. Von dort ab zieht uns die Genua wunderbar alleine. Je weiter wir in die Bucht kommen, desto ruhiger wird die See, zum Schluss gleitet der Katamaran fast lautlos und völlig ruhig in die Hafeneinfahrt. Für Thilos ersten Segeltag ein prima Einstieg.

Wie ankern neben der bereits gestern eingetroffenen TANAMERA und entdecken dann direkt hinter uns auch die FIVE & Dime. Bei herrlichem Wetter sitze ich auf dem Achter-deck beim Kartoffeln pellen, während Thilo die Frikadellen vorbereitet. Wir essen wieder draußen im Freien. Beim Sonnenuntergang leuchtet die Stadt in herrlichen Farben, wir sitzen noch lange im Cockpit und unterhalten uns.

10 August, Donnerstag Lunenburg

Schon am frühen Morgen werden wir durch das Tuten gewaltiger Schiffssirenen geweckt. Eins nach dem anderen laufen die Großsegler ein, die ich schon in Halifax gesehen habe. Jedes Schiff wird mit sämtlichen Sirenen im Hafen lautstark begrüßt. Wie wir später erfahren, bleiben die Segler für drei Tage in Lunenburg, um dann weiter um Nova Scotia herum in die Bay of Fundy zu laufen.

Zum Frühstück gibt es endlich wieder Croissants, dann beschäftigen wir uns ein wenig mit dem Schiff. Da Thilo aus einer Tischlerfamilie stammt, muss er ran, um die klem-mende Tür des Inverterschrankes zu richten. Fachmännisch verleimt er die verzogenen Ecken und schleift dann säuberlich etwas Material an den klemmenden Stellen ab. Die Tür ist offensichtlich im Laufe der Jahre durch die andauernde Feuchtigkeit in sich verzogen, wie die meisten anderen Türen auch. Ich schaue noch nach dem Ölstand der Motoren, dann fahren wir rüber in den Hafen.

Die gesamte Uferstraße ist für den Autoverkehr gesperrt, an der Promenade ist der Zugang zu den Kais abgesperrt, man kann aber durch eine Zugangskontrolle zu allen Segelschiffen und diese auch betreten. Es sind unglaubliche Menschenmengen vor Ort, die müssen von ganz NOVA SCOTIA kommen, um diese „Tall Ships“ zu sehen. Außerdem vergesse ich als Rentner leicht, dass gerade jetzt Ferienhochsaison ist. Das gute Wetter tut, was es kann, dazu. Wir besichtigen ebenfalls die stolzen alten Yachten, den Besuch des Fischereimuseums schenken wir uns, dort herrscht zuviel Gedränge. Außerdem ist das interessanteste Ausstellungsstück, der sonst zu besichtigende Hochseetrawler wegen der Segelschiffe nicht an seinem Platz.

Wir spazieren durch die malerischen Gassen und schießen ein paar Photos von den alten aus Holz gebauten Kirchen und auch von einigen Häusern. Das obligatorische Eis in der Eisdiele, wo es per Hand hergestellt wird, rundet den guten Eindruck von Lunenburg ab. Zum Abendessen gibt es einen großen Salat. Bis 11:00 sitzen wir wieder draußen und genießen das Leuchten an Land und am Himmel, denn dort geht der zwar leicht abneh-mende, aber dennoch orange bis gelb leuchtende Mond auf. Es ist beinahe unwirklich still und das Wasser ist spiegelglatt. JABULO wird nur von der schwachen Gezeiten-strömung leicht hin und her gedreht.

11 August, Freitag von Lunenburg nach Port Mouton 29 nm

Wir müssen weiter und fahren nach dem Frühstück bei herrlichem Wetter aus der Bucht von Lunenburg hinaus, bis ca. 14:00 geht es mit nur einer Maschine in Richtung Südwest. Unterwegs sehen wir mehrmals Delphinrücken und natürlich die neugierigen Köpfe von Seehunden auftauchen. Auf einem winzigen Felsen liegt eine ganze Kolonie von ihnen und wärmt sich an der Sonne. Als wir zum Fotografieren näher ran fahren, verschwin-den sie blitzartig im Wasser. Für eine Stunde setzen wir die Segel und können sehr hoch am Wind wenigstens eine Zeitlang die Ruhe genießen.

Dann schläft der Wind wieder ein und mit der Steuerbordmaschine laufen wir gemäch-lich in die Bucht von Port Mouton ein. Dort ankern wir keine 100 m vor einem wunder-baren Sandstrand, außer uns sind noch 2 andere Yachten an diesem schönen Ort. Wir lassen Klein-Jabulo ins Wasser, am Strand ziehen wir das Dinghi weit auf den Strand hoch, es ist nämlich Flut. Nach einem ausführlichen Barfuß-Spaziergang am Strand gibt es an Bord den Rest Kartoffelsalat mit den paar übrig gebliebenen Frikadellen, die wir praktischerweise in der Mikrowelle aufwärmen.

Thilo muss anschließend seine jugendliche Abenteuerlust ausleben und unternimmt mit dem Dinghi eine Erkundungstour durch die Bucht, vorsichtshalber gebe ich ihm das Handfunkgerät mit, man weiß ja nie. Nach einer guten Stunde kommt er wohlbehalten zurück und wir hören noch ein wenig Musik bei interessanten technischen und wissen-schaftlichen Gesprächen. Wir denken da als Ingenieure irgendwie in gleichen Bahnen.

12 August, Samstag von Port Mouton nach Shelburne 42 nm

Um 08:00 Uhr geht es weiter, in der Bucht herrscht Nebel, sodass wir zuerst auf unserem Einfahrtkurs von gestern aus der Bucht manövrieren und erst nach einer halben Stunde nach Steuerbord abbiegen. Es steht eine enorme Welle aus Süd an, JABULO schaukelt ganz schön, obwohl fast kein Wind ist. Gegen Mittag geht der Nebel in Regen über, immerhin wird die Sicht dadurch etwas besser. Ein Versuch, unter Segeln voranzu-kommen, scheitert, Der Wind ist nicht nur zu schwach, sondern zu unbeständig, wir können den notwendigen Kurs nicht halten.

Bei Thilo hat jetzt offensichtlich der Jet-Lag mit Verspätung zugeschlagen, er liegt im Salon in voller Segelmontur und schläft 2 Stunden lang den Schlaf der Gerechten. Als ich in die Bucht von Shelburne einbiege, bin ich versucht ihn zum Segelsetzen zu wecken, bringe es dann aber doch nicht übers Herz. Zum Glück habe ich ihn schlafen lassen, denn kaum in der Bucht drin wird der Wind immer schwächer bis hin zur Flaute. Dafür regnet es in Strömen, auf den diversen um uns herum Regatta segelnden Yachten laufen alle in Schwerwettermontur herum.

Die Bucht zieht sich tief ins Land hinein, wir brauchen fast 2 Stunden bis zum Yachtclub, wo wir an einer der Mooring-Tonnen festmachen. Ich hatte den Yachtclub vorher ange-schrieben, ob ich mir Post dorthin schicken lassen könnte, und dabei gelesen, dass das nur 15 CAD$, also 10 € pro Nacht kostet, dafür liegen wir so dicht am Land, dass wir permanent im Bereich des WLANs sind. Außerhalb der Mooringzone liegt TANAMERA, eine Tonne weiter die Carina. Hier an der Küste von NOAVA SCOTIA gibt es nicht sehr viele Häfen, also trifft man sich immer wieder.

Als der Regen endlich eine Pause macht, fahren wir zum Klubhaus rüber, melden uns an und unternehmen den ersten kurzen Erkundungsspaziergang. Prompt fängt es wieder n zu regnen. Auf dem Rückweg reservieren wir im nahe gelegenen Restaurant noch einen Tisch für morgen Abend für 2 Mal Hummer-Menü. Heute gibt es erst mal eine große Pfanne Risotto mit Gemüse, die Thilo mit leichter Rezeptunterstützung von meiner Seite kreiert.

Um kurz nach 09:00 Uhr kommt vom Klubhaus Musik herüber, die uns bei der Anmel-dung bereits angekündigte Party anlässlich der Regatta hat begonnen. Wir sind aus-drücklich eingeladen, also fahren wir rüber. In einem schönen Saal mit großer, gut bestückter Theke spielt eine lokale 4-Mann-Band das gesamte Repertoire der Rockmusik von den 50-igern bis heute. Das überwiegend in meiner Altersklasse angesiedelte Publikum ist schwer begeistert. Es wird getanzt, was die Arthritis noch hergibt. Wir genehmigen uns ein paar Biere vom Fass, die zu unserer Überraschung nur je 4,50 $ kosten, das ist für Kanada extrem preiswert. Erst nach Mitternacht leert sich der Sal langsam und auch wir verdrücken uns in die Kojen.

13 August, Sonntag Shelburne

In der Nacht regnet es kräftig, aber wir stehen ohnehin erst um 09:00 Uhr auf. Da ich einen großen Nachholbedarf beim Blogschreiben und der Organisation der weiteren Reise habe, geht Thilo alleine auf Einkaufstour. Ich bringe Ordnung in den gesamten Mailverkehr mit potentiellen Mitseglern und schreibe diverse ausstehende Mails. Dann mache ich mich ans Blogschreiben, eine Woche Rückstand ist gar nicht so einfach aufzuholen. Als Thilo kurz nach dem Mittag zurück kommt, bin ich noch lange nicht fertig. Ich schreibe weiter, Thilo liest ein Buch über Weltumsegelungen, das er aus Deutschland mitgebracht hat.

Kurz vor sieben schlagen wir im Restaurant auf, voller Vorfreude auf die Hummer. Leider gibt es aber keine mehr, trotz der gestrigen Zusage. Wir haben keine Lust auf Fish and Chips, also muss die JABULO Bordküche herhalten. Auf die Schnelle backe sch ein paar Pfannkuchen und mische eine mexikanische Mais-Bohnen-Sauce aus Dosen zusammen. Den letzten Pfannkuchen gibt es mit kanadischem Ahornsirup, sozusagen als süßen Nachtisch.

Am Abend schauen wir uns die zweite Hälfte der James Cook Dokumentation an, dabei geht der letzte Rest Wein drauf und es bleiben uns noch 3 Bierdosen. Morgen ist Montag, da sollte es doch noch etwas zu kaufen geben.

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