KW 29, ab 17. Juli

16. -17. Juli 2017 Lunenburg

Sonntagmorgen um kurz vor neun fahre ich Prisca und Benjamin mitsamt ihrem Gepäck zum Land rüber, hoffentlich klappt es mit dem Taxi. Weiterhin schönen Urlaub wünsche ich den beiden und vor allem etwas besseres Wetter. Nur wenige Minuten vom Dinghi-Dock entfernt befindet sich ein mittlerer Supermarkt, wo ich um Punkt neun als erster Kunde des Tages Brötchen und Brot einkaufe, dazu ein wenig Käse und Obst, unsere diesbezüglichen Vorräte sind am Ende, gestern mussten wir unser Brot ja bereits selber backen. Der Tisch ist gedeckt und die Brötchen sind im Backofen, als, wie verabredet, Birthe und Wolfgang zu uns rüber kommen. Sie haben das Buch von Jimmy Cornell über die großen Windsysteme der Welt mitgebracht, das ihnen bislang guten Rat gegeben hat.

Nach dem Frühstück besprechen wir JABULOs weitere Reise. Den Angaben in Jimmys Buch zufolge sind die besten Monate, um aus der Karibik nach Südamerika zu segeln, Oktober bis März. Das würde bedeuten, dass mein ursprünglicher Plan, im Herbst von Trinidad nach Süden zu reisen, wenig Sinn macht. Wir hätten Wind und Strömung gegen uns. Ich werde die weitere Route dementsprechend umplanen. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass wir von Trinidad aus im Juli/August in die innere Karibik gehen werden, um dann Weihnachten wieder in Trinidad oder Kolumbien zu sein, wohin Besucher bequem kommen könnten. Auf der Reise nach Süden werden wir uns dann viel Zeit lassen können, damit wir erst im südlichen Hochsommer, das wäre dann Weihnachten 2019, in Feuerland sind. Wolfgang weist mich noch darauf hin, dass wir dort unbedingt eine Heizung an Bord benötigten, das Wasser ist dort so kalt, dass ein nicht isoliertes Schiff ein schwimmender Kühlschrank sei. Bis dahin habe ich noch viel Zeit, mir was zu überlegen. Die beiden lichten nach dem Frühstück den Anker, vielleicht trifft man sich ja noch mal.

Da wir an Bord kein Internet haben, fahren Andreas und ich am Nachmittag noch mal rüber, er muss ja schließlich seinen Rückflug von Baltimore auf Halifax umbuchen. Nach diversen Telefonaten über Skype muss er abschließend noch eine Mail mit seinem Reisewunsch senden, dann sollte das klappen. Andreas fährt mit Klein-JABULO zurück zum Schiff, ich schlendere durch die Gassen, bis ich endlich einen Laden finde, in dem ich eine kanadische Gastlandflagge bekomme.

Lunenburg ist eine malerische Kleinstadt mit einem teilweise sehr alten Häuserbestand, wir finden Schilder, die bis ins 18. Jahrhundert zurückgehen. Scharen von Touristen aus aller Herren Länder schlendern an der Promenade entlang, essen Eis, trinken Kaffee und kehren, natürlich, in eines der unzähligen Fischrestaurants ein. Zu meiner Verwunde-rung gibt es etliche Buchläden, die, wie ich es auch in den USA gesehen habe, neben Neuausgaben auch gebrauchte Bücher anbieten. Ich kaufe ein Exemplar von Melvilles Moby Dick und ein paar weitere Paperbacks. In einem kleinen Kellerbuchgeschäft erwerbe ich drei gebundene Neuausgaben der bekannten Kinderbücher von Richard Scarry für unsere Enkel in Englisch.

sdr
Moby Dicks Schädelknochen

Nach meinem gestrigen kulinarischen Reinfall will ich auf Restaurantessen verzichten, Durst habe ich aber schon und bestelle mir auf der Terrasse eines Restaurants ein Bier, immerhin gibt es kanadisches Hefeweizen. Als ich über das Restaurant-WLAN mit meiner Familie über THREEMA kommuniziere, höre ich rund um mich herum alle möglichen Sprachen. Links neben mir unterhält sich eine Familie auf Schweizerdeutsch, gegenüber wird Französisch gesprochen. Das Rätsel der vielen internationalen Touristen löst sich, als mir ein  Besucher am Nebentisch erzählt, dass heute mehrere Busse mit Passagieren eines Kreuzfahrers nach Lunenburg unterwegs seien.

Um 17:00 Uhr holt Andreas mich mit dem Dinghi wieder ab, eine Bestätigung seiner Um-buchung ist noch nicht eingetroffen, morgen ist Montag, da sollte jemand im Reisebüro arbeiten. Zum Abendessen gibt es Spaghetti mit Hackfleischsauce, das Fleisch hatte ich am Morgen vom Supermarkt mitgebracht.

Am Montagmorgen fahren wir als erstes wieder rüber an Land, mal sehen, ob Andreas’ Buchung bestätigt wurde, was nicht der Fall ist. Da ich ohne Bestätigung nicht weiter fahren will, verbringen wir einen weiteren Tag in Lunenburg mit Herumschlendern, Eisessen und Faulenzen auf JABULO, am Nachmittag ist immer noch keine Buchungs-bestätigung eingetroffen. Ich nutze den letzten Landgang zum Hochladen der neuesten Folgen des Blogs, ansonsten bleibt uns nur Warten. Wenigstens das Wetter zeigt sich den ganzen Tag von seiner besten Seite, Lunenburg liegt im strahlenden Sonnenschein. Weit draußen vor der Bucht sieht es allerdings nach Nebel aus, der gegen Abend bis in die Ankerbucht vordringt und uns wegen der Kälte zum Essen nach innen verscheucht.

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Der Nebel senkt sich über Lunenburg

18. Juli 2017 Von Lunenburg nach Halifax 50nm

Nach Halifax sind es ca. 50 nm, wir müssen warten, man sieht fast nichts. Um 09:00 Uhr lichtet sich der Nebel soweit, dass wir die Nachbarschiffe erkennen können. Ohne vorher noch mal an Land zu gehen und nach der Buchungsbestätigung zu schauen, lichten wir den Anker und tasten uns aus dem Hafen in die Bucht und dann ums Eck aufs offene Meer Richtung Halifax. Wir fahren mit nur einem Motor mit halber Drehzahl, eine Strömung sorgt dafür, dass wir trotzdem immer über 5 kn fahren. Das Meer ist spiegelglatt, wenn man es denn überhaupt sieht.

Kurz vor 18:00 Uhr kommen wir ans Eck, um das wir nach Norden in Richtung Halifax abbiegen müssten. Allerdings liegt vor uns ein Verkehrstrennungsgebiet, in dem ich nicht gegen die vorgeschriebene Fahrtrichtung fahren darf. Das AIS zeigt ein auslaufen-des 220 m langes Frachtschiff, mit dem wir bei dem vorgeschriebenen rechtwinkligen Durchqueren der „Autobahn“ genau kollidieren würden. Zu sehen ist es nicht, obwohl der Nebel sich gerade lichtet. Während ich noch überlege, was zu tun ist, ruft uns über den Funk eine weibliche Stimme: Pleasure boat JABULO, pleasure boat JABULO, this is Halifax traffic control !!! Von wegen pleasure boat, bei dem Nebel ist es kein Spaß, hier rum zu fahren. Ich antworte auf den Anruf und die Controllerin erlaubt uns, dicht unter der Küste entgegen der Fahrtrichtung nach Norden zu fahren. Vorsorglich fragt sie noch wie die Sichtweite ist und ob wir RADAR an Bord hätten. Ich beruhige sie, die Sicht beträgt mittlerweile über eine Meile, insbesondere die mit Klippen bestückte Steilküste ist wunderbar zu sehen. Jetzt schälen sich wie ein Gespenst auch noch die oberen Decks des Frachters aus dem Nebel, der Rumpf ist nicht zu sehen. Später erkennen wir, dass es sich um einen Autofrachter handeln muss.

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Wenn man genau hinschaut, sieht man die Oberdecks des Frachters über dem Nebel

Bei immer besser werdender Sicht laufen wir in Halifax ein und gehen dort in den Nordwestarm, eine 2,5 nm lange schmale Bucht, fast wie ein Fluss. Am Ende befindet sich eine kleine Marina und es gibt wunderbare Ankerplätze, direkt vor den Villen-grundstücken der Betuchten von Halifax. Wir suchen uns einen netten Platz aus, JABULO hat jetzt ein paar Wochen Pause, und die Besatzung natürlich auch.

19. Juli, Mittwoch Halifax

Wir haben direkt gegenüber der Marina des Armdale Yachtclubs festgemacht. Angeblich gibt es dort immer freie Plätze oder freie Mooringtonnen für Gäste. Weil Andreas morgen abreist, will ich JABULO noch mit ihm zusammen dort festmachen. Wir fahren mit Klein-JABULO rüber und müssen leider feststellen, dass alle Plätze belegt und die Moorings nur für Schiffe bis 40 Fuß Länge dimensioniert sind. Also werden wir wohl vor Anker liegen bleiben müssen.

Wenigstens das Internet dürfen wir benutzen. Andreas hat immer noch keine Bestäti-gung der Umbuchung erhalten. So auch jetzt, es ist keine Mail angekommen. Ich dränge ihn, noch mal beim Reisebüro anzurufen. Und siehe da, er hat seine Umbuchungsmail an eine falsche Adresse geschickt, mit der Buchstabiererei hat er es nicht so. Ich schreibe für ihn schnell eine neue Mail, hänge ein Photo seines Reisepasses an und eine halbe Stunde später kommt tatsächlich die Bestätigung für den morgigen Flug um 22:00 Uhr, die ich ihm, zurück an Bord, ausdrucke. Andreas will noch ein wenig von Halifax sehen und macht sich zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Ich bin zu müde dazu.

Nachdem ich ihn am Dinghi-Dock abgeliefert habe, fahre ich zu dem Trimaran namens FREYA, der nur 100 m entfernt an einer Tonne festgemacht ist. Als Vorstand des Multihullvereins habe ich sozusagen von Amts wegen ein Interesse daran. Es handelt sich um einen typischen 30-35 Fuß-Dreirümpfer wie die ersten Risse von Piver aus den 70-iger Jahren, sogar das damals übliche Blau der Rümpfe und das Weiß des Decks sind original. An Bord ist eine Familie mit 2 Kindern, 4 und 6 Jahre alt. Sie haben das Boot erst kürzlich von einem in die Jahre gekommen Hippie für 15.000 CD$, das sind  etwa 10.000 € gekauft. Die Ehefrau ist heute das zweite Mal an Bord. Am Abend kommt sie zu uns rüber gerudert und lädt uns auf ein Glas Wein ein. Wenn man das kleine Boot so sieht, sollte man nicht glauben, dass der Vorbesitzer damit mehrfach in die Karibik und zurück gesegelt ist. Der Eigner ist natürlich sehr interessiert, unseren Katamaran zu besichtigen und ich lade die ganze Familie zum gemeinsamen Kochen für morgen ein.

Nachdem wir uns verabschiedet haben, zieht Andreas eine Flasche Rum hervor, die er bei seinem Spaziergang gekauft hat. Am letzten Abend will er noch einen mit mir trinken. Wir bereiten uns mehrere Ti’Punchs, die mit der Zeit immer größer werden. Um ein Uhr morgens stelle ich fest, dass die Flasche fast leer ist, es reicht uns beiden und wir gehen schlafen.

20. Juli, Donnerstag Halifax

Wir werden erst gegen 10:00 Uhr munter, besonders Andreas hat mit dem Restalkohol zu kämpfen. Es hilft ihm nichts, wir müssen mit JABULO noch rüber in die Marina, die Wassertanks sind fast leer. Bei zweimal ca. 300 l, dauert es ewig, bis sie voll sind. Nach dem Wasserfassen laufe ich noch zum um die Ecke gelegenen Schiffsausrüster, um zu sehen, was der zu bieten hat.

Während Andreas seine Sachen packt, gehe ich auf die Suche nach dem nahe gelegenen Einkaufszentrum, um für heute Abend etwas zu besorgen. Insbesondere der Biervorrat ist auf exakt Null geschrumpft. Beim Übersteigen vom Dinghi auf den wackeligen Steg kippt letzterer unter meinem Gewicht weg und ich falle in voller Montur mitsamt Ruck-sack ins Wasser. Nun zahlt es sich aus, dass ich stets meine gesamte Elektronik in einem wasserdichten Beutel transportiere, sonst wäre das schöne neue Smartphone im Eimer gewesen. Ich muss zurück zum Schiff und mich umziehen.

Das Einkaufszentrum ist ca. einen halben Kilometer entfernt, bisher hatten wir keinen einzigen derartig günstig gelegenen Ankerplatz. Es gibt Walmart, Sobeys (Super-Lebens-mittel-Laden) Wine und Spirits, Banken, Restaurants und Modeshops. Ich kaufe Kartoffeln, saure Gurken, Hackfleisch, Mayonnaise, Baguette, Croissants, Obst und Gemüse, einen Kanister Wein, zwei Kartons Bier und einen Ersatz für die gestern geleerte Rumflasche. Mehr kann ich nicht tragen.

An Bord setze ich sofort Kartoffeln auf den Herd, es soll mal wieder unseren berühmten „German“ Kartoffelsalat geben. Um halb sechs bringe ich Andreas mit seinem Gepäck an Land, direkt oberhalb des Stegs ist eine Bushaltestelle, praktischer geht es nicht. Als wir uns verabschieden, trifft die „Trimaran-Familie“ ein. Da sie nur ein Dinghi mit Rudern besitzen, nehme ich Mutter und Kinder ins Schlauchboot und schleppe den Vater zu ihrem Trimaran, er kommt dann später zu JABULO rüber gerudert. Sie haben fertige Pizza mitgebracht, für die Kinder kochen wir noch Nudeln und es gibt ein üppiges Abendessen mit mehreren Gängen.

Der Vater arbeitet als Coach für Unternehmen und trainiert Führungskräfte und Profes-soren in ihrem Auftreten und ihrer Art zu präsentieren bzw. zu unterrichten. Er hat bereits in Südkorea, Qatar und in den USA gearbeitet. Seine Frau ist in einem Sozialberuf tätig und wir unterhalten uns lange über die verschiedenen Sozial- und Steuersysteme. Kanada hat, wie England, ein kostenloses, steuerfinanziertes Gesundheitswesen, was, wie in England dazu führt, dass man bei nicht akuten Krankheiten monatelang auf einen Arztbesuch warten muss. Die Achillesferse, ist wie fast überall, die Altersvorsorge. Von Kanada aus betrachtet, leben europäische Rentner sehr komfortabel.

Nach einiger Zeit werden die Kinder unruhig, ich lasse Disneys Dschungelbuch auf dem Fernseher laufen, aber auch das hilft nicht lange, die Familie verabschiedet sich. Wir tauschen Telefonnummern aus und Vater rudert die ganze Mannschaft zurück an Land.

21. Juli, Freitag Halifax

Endlich allein !!! Nein das wäre unfair Andreas gegenüber, der mir stets zuverlässig und geduldig zur Seite gestanden hat. Ohne ihn wäre vieles schwierig und manches unmög-lich gewesen, dafür noch mal Dankeschön. Aber trotzdem, einmal nicht interagieren zu müssen, ist eine Erleichterung.

Ich mache mir einen kräftigen Espresso mit der IKEA Siphon-Kanne, trotz diverser Versuche hat Andreas immer irgendwie davor zurückgescheut, richtig viel Kaffepulver zu nehmen, der Kaffee war deshalb meist nicht richtig geschmacksintensiv. Dazu serviere ich mir im Backofen aufgewärmte Croissants, die es hier tatsächlich in einer zumindest Frankreich-ähnlichen Qualität gibt. Den Tag verbringe ich an Bord mit Blog-Schreiben, Lesen, Formatieren und Sortieren der restlichen MP3-Musikdateien, abends sehe ich mir noch einen Louis de Funes Film an.

22. Juli, Samstag Halifax

Nach einem langen und tiefen Schlaf wache ich erst gegen neun Uhr auf. Wieder gibt es Kaffee und Croissants, JABULO bewegt sich an der Kette hin und her, wir haben um die 15 Knoten Wind aus Nordost. Ich schreibe weiter an meinem Blog, plötzlich klopft es laut am Rumpf, der Anker hat sich gelöst und der Katamaran ist langsam gegen das Nachbar-schiff, die amerikanische Rockhopper, getrieben. Sofort starte ich die Maschinen und fahre gegen den Wind wieder nach vorne. Offensichtlich waren die nur 20 m Kette, die ich wegen des ansonsten riesigen Schwojkreises gesteckt habe, nicht ausreichend. Während ich überlege, wo ich hin fahren soll, kommt der Skipper der Rockhopper, überraschenderweise ein Österreicher, mit dem Dinghi zu mir rüber. Er hilft dabei, den Anker erst einmal einzuholen. Gemeinsam suchen wir einen neuen Ankerplatz und lassen jetzt 40 m Kette raus. Das sollte halten.

Der Wind bleibt den ganzen Tag im Bereich 15-25 kn, aber der Anker hält diesmal. JABULO ist nicht das einzige Schiff, das abtreibt. Ein wie eine chinesische Dschunke aus-sehendes völlig runter gekommenes altes Boot, beinahe schon als Wrack zu bezeichnen, treibt langsam aber sicher auf den TRIMARAN Freya zu. Ich rufe Chet, den Eigner an, um ihn zu warnen. Er kommt eine halbe Stunde später, aber da ist das „Wrack“ bereits an seinem Boot vorbei getrieben. Er erzählt mit, dass darauf ein alter Mann lebt, die Coast Guard dem alten Schiff aber Auslaufverbot wegen erheblicher technischer Mängel erteilt hat. Wegen dieser Mängel funktionieren anscheinend Motor und Ankerwinsch nicht, der Kahn ist manövrierunfähig.

Ich traue mich nicht von Bord zu gehen, solange der Wind anhält, zumal ich wegen der langen Kette relativ dicht an einem kanadischen Segelboot zu liegen komme. Gegen Abend flaut er ab und ich verhole JABULO alleine wider an einen anderen Platz, wo ich nicht mehr so dicht an anderen Schiffen liege. Alleine ist es etwas mühsam, weil ich immer wieder zwischen Steuerstand und Ankerwinsch hin und her laufen muss, aber es klappt. Ich lasse 35 m Kette raus, dabei befestige ich noch schnell die farbigen Längen-markierungen, die seinerzeit nur aufgesprühten Farbringe sind teilweise schon abgewaschen. So um 19:00 Uhr liege ich sicher im abflauenden Wind und esse die Reste vom Vorabend, Salat, Pizza und ein wenig Kartoffelsalat. Abends gibt es einen Heinz Ehrhart Film.

23. Juli, Sonntag Halifax

Am Sonntagmorgen ist es immer noch windig, aber es bleibt stets unter 15 kn. Es wird Zeit für ein wenig Haushalt, z.B. für Wäsche, ich habe zwei große Säcke voll mit Bett-wäsche und Handtücher, was halt auf so einem Kreuzfahrtschiff anfällt. Bevor ich aber alles an Land schleppe, will ich erkunden, wo der nächste Waschsalon überhaupt ist.

Bevor ich mit dem Dinghi ablege, kommen meine schwedischen Liegeplatznachbarn angefahren, ein Ehepaar auf Langfahrt, die seit 2 Tagen mit einer Halberg Rassy hier liegen, und laden mich für den Abend auf ihr Schiff ein. Wir hatten gestern über meine weiteren Pläne gesprochen und da sie bereits mehrere Male auf den Bahamas waren, haben sie mir angeboten, mir ein paar Tipps zu geben.

Dann fahre ich aber endlich los, den Computer im Rucksack. Im Sobeys Supermarkt lade ich die neuen Kapitel des Blogs hoch, hole mir die aktuellen GRIB Daten für die Wetter-vorhersage runter und versende diverse vorbereitete Mails. Ich kaufe noch eine Flasche Wein als Gastgeschenk für heute Abend und finde auch noch den Waschsalon. Zurück auf JABULO brate ich mir aus dem im Kühlschrank liegenden Hackfleisch Frikadellen, dazu verzehre ich den wirklich letzten Rest des Kartoffelsalates.

Anschließend geht es zur Halberg Rassy, einer 40“ Ketsch aus den 70-er Jahren. Schon beim Hochklettern merkt man, dass es sich um ein altes Schiff handelt, das wie seiner-zeit üblich rein auf Zweckmäßigkeit konstruiert ist. Überall sind Leinen, Stagen, Winschen, Niedergänge usw. Es gibt keinen Meter ohne Stolperfallen, im Cockpit können so eben 4 Leute sitzen. Mehr geht beim besten Willen nicht. In den Salon schaue ich nur von oben kurz rein, ich passe kaum durch den Niedergang. Die beiden Segler erzählen, was so alles an Bord ist, ein Generator, ein Wassermacher, eine Heizung, 2 Klappfahrräder, ein Elektroherd, Reservesegel und und und….. Im Stillen frage ich mich, wo die beiden denn leben, aber anscheinend kommen sie mit der Enge gut klar.

Bei einem Bier und Snacks berichten sie von ihren Segelreisen und dann kommen die Segelführer und Detailkarten der Bahamas auf den Tisch. Sie bestätigen meine Informa-tionen über die Einreisebestimmungen und empfehlen mir, über Weihnachten dort zu bleiben und gar nicht erst wieder in die USA zu segeln, um meine Besucher abzuholen. Nassau ist genau so einfach zu erreichen wie Miami. Von Nassau aus kann man in den 2 Wochen Weihnachtsferien sehr schön eine Rundtour über Eleuthera zu den nördlichen Exumas und zurück absolvieren, und das in glasklarem, warmem Wasser und garantiert südlich der gelegentlich von Norden heranziehenden Kaltwetterperioden. Das Über-setzen nach Florida kostet in jeder Richtung 2 Tage, dazu kommen teure Liegegebühren, Taxis usw. Nach meinen Erfahrungen mit den USA kann ich die exorbitanten Kosten und die schwierigen Transportmöglichkeiten nur bestätigen. Außerdem sind wir Anfang Januar in Nassau bereits in einer optimalen Startposition für die weitere Reise in Richtung Karibik. Also werde ich mich in den nächsten Tagen daran machen, die Weihnachts-Etappe neu zu planen und meine Mitsegler entsprechend zu informieren.

Ich verabschiede mich dankend von der Windfall, so heißt das schwedische Schiff, und kehre auf den Katamaran zurück, dankbar über das enorme Platzangebot auf JABULO.

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