Mai 2017, immer noch in der Werft

02. bis 20. Mai 2017
Deltaville Stingray Werft

Eigentlich habe ich geplant, Deltaville bereits Ende April oder Anfang Mai zu verlassen, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Es sollte der 20.Mai werden, bis wir endlich loskommen.

1900
JABULO Immer noch auf dem Trockenen

Nachdem ich meine Suche nach Mitseglern in Hand-gegen-Koje veröffentlicht hatte, erhielt ich noch in Deutschland diverse Anfragen. Mit 2 potentiellen Mitseglern, Andreas und Mona, kann ich mich noch vor meiner Abreise in die USA am 2. Mai persönlich treffen. Andreas könnte mehr oder weniger sofort abreisen und bucht einen Flug für den 15. Mai. Daraufhin ordere ich mir einen Leihwagen bis zum 17. Mai, damit ich ihn von Flughafen in Baltimore abholen kann. Den Leihwagen solange zu behalten, erweist sich im Nachhinein als weise Entscheidung in mehr als einer Hinsicht.

Einer der bisher unerledigten Punkte auf meiner Arbeitsliste ist die Überprüfung incl. Testfahrt des mit JABULO gekauften Beibootes. Nachdem dieses über Winter Einiges an Luft verloren hat, pumpe ich es wieder auf und lasse es ein paar Tage stehen, um eventuellen. Druckverlust festzustellen. Nach 2 Tagen bricht plötzlich der Sommer aus und Pfffft mit einem Schlag ist die Luft aus dem Gummiboot. Die von der Sonne verursachte Druckerhöhung und die höhere Temperatur sind zu viel für die alten geklebten Nähte, ich kann die Gummistreifen einfach so abziehen.

1907
Das traurige Gummiboot mit hängenden Backen

Woher jetzt auf die Schnelle in Deltaville ein neues Boot herkriegen?? Zum Glück gibt es in Annapolis eine Firma, die RIBs (rigid inflatable boats) diverser Hersteller am Lager hat. Annapolis liegt auf dem Weg zum Flughafen Baltimore, wo ich Andreas abholen will. Nachdem ich auf dem Hinweg bei IKEA in Washington eine komplett neue Küchen-ausstattung sowie zusätzliche Bettdecken und –bezüge gekauft habe, statte ich dem Gummibootladen auch noch einen Besuch ab und kaufe ein neues Highfield 3,10 m Länge. Das wird der Händler mir dann bei meinem Aufenthalt in Annapolis an den Steg bringen. Somit haben wir jetzt ein brandneues für 4 Personen zugelassenes Dinghi.

Auf der Rückfahrt vom Flughafen nach Deltaville haben wir diverse Staus bei Washington, sodass wir erst nach Mitternacht wieder bei JABULO ankommen, für Andreas ist es da schon 6 Uhr morgens. Am nächsten Vormittag ist er aber schon wieder fit und hilft mir bei den letzten Arbeiten, insbesondere beim Abdichten der letzten Leckstellen am Biminidach und an den Decksluken, zumindest dachten wir es wären die letzten. Vormittags werden die neuen Segel geliefert und vom Segelmacher vorläufig angeschlagen. Nach getaner Arbeit geht es an die Essensplanung, anhand meiner in langen Jahren erarbeiteten Einkaufsliste können wir uns schnell über die wesentlichen Dinge einigen und ab geht’s zum ca. 20 Meilen entfernten Walmart Supermarkt. Um 23:00 Uhr (Walmart hat 24h geöffnet) sind wir endlich durch die diversen Gänge durch und können unsere drei mit Waren im Wert von fast 300 $ voll gefüllten Einkaufswagen ins Auto laden.

Mir lässt das permanente Eindringen von Regenwasser ins Schiff keine Ruhe. Ich vermute seit langem, dass die ca. 100 Senkkopfschrauben, mit denen die längs der beiden Schiffsaußenkanten verlaufenden Aluschienen festgeschraubt sind, entlang der Gewinde Wasser durchlassen. Da wir jetzt zu zweit sind und jemand von innen gegen-halten kann, entschließe ich mich, die Schrauben eine nach der anderen noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Es stellt sich heraus, dass die Schrauben einfach ohne innere Gegenmutter und Dichtung in das GFK der Rümpfe geschraubt sind. Nach dem Abnehmen der ersten ca. 5 m langen Schiene (Süll) kommt eine böse Überraschung zum Vorschein. Offensichtlich dienen die Schienen nur dem Zweck, die Stoßkante zwischen dem äußeren und inneren Rumpfteil zu verdecken. Das wäre ja noch ok gewesen, wenn die Werft wenigstens den Stoß einwandfrei mit GFK abgedichtet hätte. Aber wir finden mehrere bis zu 5 cm lange Löcher, das Ganze kann nie und nimmer dicht sein.

Der oder die Vorbesitzer haben offensichtlich mit demselben Problem gekämpft, es ist deutlich zu erkennen, dass zusätzlich zu der originalen Gummiabdichtung an vielen Stellen die Silikonspritze zum Einsatz gekommen ist. Also entscheide ich, die Schienen vollständig zu demontieren und die diversen Löcher von der Werft fachmännisch abdichten zu lassen. Der GFK Spezialist kann dankens-werter­weise auch sofort anfangen und am Samstagmittag ist auf beiden Seiten anstelle der Aluschienen wunderbar weißes neues Gelcoat aufgetragen. Ich werde da nie wieder Löcher reinbohren. Am Freitagnachmittag werden die Segel dann endgültig montiert und alle Leinen justiert. Ach, bevor ich’s vergesse, JABULO kommt am Freitagmorgen endlich zurück in sein angestammtes Element, das Wasser.

1906
JABULO schwimmt endlich wieder

12.Mai 2017
Mit 87 Jahren immer noch als Katamaran-Skipper unterwegs

Bevor ich mit dem eigentlichen Reisetagebuch beginne, will ich Euch noch von einer dieser Begegnungen berichten, die man nur erleben, nicht aber erfinden kann. Einige Tage vor Andreas’ Eintreffen macht abends ein 10,5 m Gemini-Katamaran mit Wasser-einbruch im rechten Rumpf am Bootssteg der Werft fest und wird sofort am nächsten Morgen aufs Trockene auf 2 große Styroporklötze gestellt. Von den Geminis wurden mittlerweile fast 500 Stück gebaut, sie sind wegen der einziehbaren Schwenkkiele, des deshalb geringen Tiefgangs und der geringen Masthöhe ideal für die US-Ostküste mit all seinen flachen Buchten und den vielen Brücken des ICW (Intra Coastal Waterway).

Da ich aus Erfahrung weiß, dass Deltaville so am Ende der Welt ist, dass es dort  nicht mal ein TAXI gibt, um wegzukommen, gehe ich rüber zu dem Schiff, um zu fragen, ob die Besatzung etwas bräuchte, was ich bei meinem nächsten Einkauf dann mitbringen könnte. Zu meinem Erstaunen erscheint auf mein Klopfen hin eine alte Dame, die sich als Lady Di vorstellte. Noch mehr staune ich, als sie mir erzählt, sie sei 87 Jahre alt und die Eignerin und Skipperin des Schiffs. Sie hätte alles, was sie bräuchte, aber ihre junge Crew müsste dringend nach Hause. Ob ich wüsste, wo man ein Auto mieten konnte. Ihre junge Crew kommt dann selber an Deck, es ist ihr 84-jähriger Nachbar. Ich biete den beiden an, sie nach Gloucester mitzunehmen, wo in der Nähe des großen Einkaufs-zentrums ein Enterprise-Autoverleih existiert. Gesagt, getan, der Herr Nachbar fährt mit einem Leihwagen nach Hause und Lady Di geht mit mir in den Baumarkt, von wo auch sie ein paar Teile benötigt.

Am Abend lädt sie mich dann zu einem Drink ein und erzählt mir ihre ganze Lebens-geschichte von ihrer Kindheit in den Jahren der großen Depression, über den 2-ten Weltkrieg usw. bis heute. Sie hat schon als Kind in Massachusetts gesegelt, 2 Ehemänner überlebt und ist seit über 20 Jahren eine lustige Witwe. Den Gemini-Kat hat sie sich nach dem Tod ihres Mannes im Tausch gegen ihr Haus gekauft, sie besitzt jetzt nur noch eine kleine Wohnung dort. Mit dem Kat fährt sie jedes Jahr im Herbst auf die Bahamas und im Frühsommer wieder nach Norden, wo sie diverse Enkel und Urenkel hat. Dieses Jahr ist sie dabei leider in Deltaville gestrandet.

1905
Ladi Di und Andreas auf des toten Mannes Kiste, hoh, hoh und die Buddel voll Rum

Ihre Drinks bestehen zur Hälfte aus karibischem Rum, von dem sie jede Menge gebunkert hat, und sie lebt anscheinend hauptsächlich davon, essen tut sie nur sehr wenig. Ihr Arzt rät ihr immer wieder, weniger zu trinken, aber sie sieht das Ganze sehr gelassen. Mit 87 Jahren wird sie ihr Leben nicht mehr ändern, und recht hat sie. Natürlich beschäftigt sie die Frage, wie lange es noch so weitergeht. Am liebsten würde sie, wenn es soweit ist, mit ihrem Katamaran aufs offene Meer mit auf Ostkurs einge-stelltem Autopilot raussegeln und nie mehr gesehen werden. Ihre Enkel seien allerdings gegen diesen Plan, weil sie den Gemini-Katamaran nicht verlieren möchten.

Sie bleibt bis zum 19. Mai in der Werft, das Leck war an der Drehachse des Schwertes gefunden worden und ist mit einem neuen Dichtring beseitigt. Bis zu ihrer Abreise lehren wir zusammen noch ein paar ihrer Drinks und lachen viel dabei. Möge sie noch viele Jahre weitersegeln. Vielleicht treffen wir uns in Massachussetts, sie hat mir ans Herz gelegt, sie dort im Sommer zu besuchen.

Jetzt aber endlich zu unserer Reise:

 

 

Ein Gedanke zu „Mai 2017, immer noch in der Werft“

  1. Hallo Uwe, freut mich, dass du endlich unterwegs bist. Ich werde mich in den nächsten Tagen durch deinen Blog lesen. Vorerst wünsche ich dir gutes Segelwetter und Viel Erfolg. LG Rupert

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