KW 26, ab 26. Juni

26. Juni 2017 Martha’s Vineyard

Heute ist mal wieder Sommer, wir frühstücken draußen und faulenzen bis zum Mittag. Mein Smartphone zeigt ein offenes WLAN vom Harbormaster an, leider ankern wir zu weit draußen, um eine Verbindung herzustellen. Ich habe gerade eine Mail erhalten, in der ein Freund aus dem Multihull-Verein mir mitteilt, dass er die von mir angefragten elektronischen Seekarten von Kanada in seine Dropbox hochgeladen hat. Als wir am frühen Nachmittag an Land gehen, nehme ich den Computer mit, hoffentlich klappt es dort mit der Verbindung.

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Die Reede von Martha’s Vineyard

Die uns am nächsten gelegene Marina von Martha’s Vineyard entpuppt sich als gemüt-liche Reede hinter einem Steinwall, in dem hunderte von Yachten, meist kleinere, an Mooringtonnen festgemacht haben, es sind kaum Stege vorhanden. Demzufolge gibt es ein großes Dinghi-Dock, da ja jeder nur so zu seinem Boot und zurück kommt. Wir schließen unser Boot und den Motor wieder mit dem Stahlschloss an, man weiß ja nie. Direkt hinter der Hafenmeisterei befindet sich eine sanft ansteigende Rasenfläche mit ein paar Sitzbänken, beinahe schon ein Park. Beide hängen wir uns ins tatsächlich anmeldungsfreie WLAN und telefonieren erstmal.

Dann öffne ich die Dropbox und zu meiner Überraschung findet sich dort eine Datei von 1,7 GByte. Die hätte ich mit dem Smartphone niemals runterladen können. Für direkten Download ist die Datei auch zu groß, ich muss sie erst auf meine Dropbox rüberkopieren und dann klappt es. Für über eine Stunde sitzen wir in der Sonne auf dem Rasen und warten, bis ich alles auf dem Rechner habe. In der Zeit lade ich noch schnell die neuesten Einträge für den Blog hoch und sortiere meine web.de Mails um, so dass ich alle wichtigen Ordner auch auf dem Smartphone habe. Nach dem Download ist der Akku des Rechners ziemlich leer und das war’s mit der Verbindung zur Welt.

Wir spazieren die paar Hundert Meter in den Ort hinein, wo sich Boutiquen, Schmuck-geschäfte und Kunstgalerien mit den obligatorischen Pizza-, Eis-, und Hamburgershops abwickeln. Martha’s Vineyard scheint ums so etwas zu sein wie Mykonos, wo auch in alter Bausubstanz den Besuchern eine vergangene gemütliche Welt vorgegaukelt wird. Aber natürlich geht es auch hier nur um Umsatz, dem wir mit je einem Eisbecher zu neuer Tageshöchstmarke verhelfen. In einem Supermarkt besorgen wir noch schnell Joghurt, Baguette und Obst, dann geht es zurück zum Dinghi. Der Ort lädt trotz der genannten alten Kulisse nicht wirklich zum Verweilen ein. Es fehlen die in Europas Ferienzielen allgegenwärtigen Straßencafes und –restaurants. Auch in anderen US Orten ist mir das aufgefallen, man muss immer in die Cafes hinein, in denen es meist überhaupt nicht gemütlich ist.

 

Auf dem Rückweg zu JABULO dreht Andreas den Gashahn unseres jetzt zuverlässig laufenden Zweitaktmotors voll auf. Der Wind ist wieder auf Stärke 4 gegangen, das Dinghi springt von Welle zu Welle und hebt fast ab. Irgendwann messe ich mal mit dem GPS, wie schnell wir fahren können, ich schätze es werden mindestens 10 Knoten sein. Wieder an Bord bereiten wir uns einen großen Salat, den wir mit dem Baguette und einem Glas zusammen genießen. Das Dinghi wird an Bord geholt, denn morgen geht es weiter.

27. – 28. Juni 2017 Von Martha’s Vineyard nach Portland 187nm

Um 08:30 setzen wir Segel, wie immer das Groß im ersten Reff, und machen uns auf den Weg. Heute gelingt der Start ohne Motorhilfe, da wir uns ohne Gefahr treiben lassen können, bis die Segel ziehen. Auf spiegelglatter See fahren wir langsam mit achterlichem Wind aus der Bucht hinaus. Draußen gehen wir auf 75° Kurs, das gibt mit dem Südwest halben Wind und JABULO beschleunigt mühelos auf 9-10 Knoten bei nur 15 Knoten realem Wind. Nicht schlecht. Das schafft Strecke und schon um 12:00 müssen wir den Kurs nach Norden ändern, um am Monomo-Island entlang nach Norden Richtung Cape Cod zu fahren.

Wir fahren jetzt etwas langsamer, es sind immer noch kaum Wellen vorhanden, und das Kielwasser macht nur ein leises Rauschen. Wir liegen auf den Achterdeckbänken und schalten Musik ein. Von den Beach Boys geht es zu Elvis Presley bis wir schließlich bei Greatest Hits von Queen landen. Das ist Katamaransegeln vom Allerfeinsten, seit 09:00 mussten wir nur einmal die Segel etwas öffnen. Um 17:00 sind wir am östlichsten Punkt der Halbinsel und unterziehen uns der unendlich schweren Aufgabe, eine Halse zu fahren. Das hat uns so erschöpft, dass der Smutje eine Riesenportion Nudeln mit Tomaten-Bohnen-Sauce kochen muss.

Andreas wäscht gerade ab und ich sehe mir übers Dinghi hinweg das Meer hinter uns anschaue, als im Kielwasser Dampfblasen aufsteigen. Ich schaue genauer hin, es sind Wale, die ein paar Hundert Meter hinter uns jagen. Ich rufe Andreas und wir sehen noch ein paar Mal den Blas aufsteigen und den Schaum, den die Tiere beim Jagen erzeugen. Käpt’n Ahab, der ja nur wenige Meilen von unserem aktuellen Standort, Nantucket, mit der Pequod zur Jagd auf Moby Dick aufgebrochen ist, wäre jetzt natürlich sofort umgekehrt und hätte die Wale gejagt. Aber heute ist zum Glück verboten, außerdem was sollen wir mit soviel Fleisch, wenn Andreas halber Vegetarier ist. Also segeln wir weiter.

Nach dem Dunkelwerden stellen wir uns auf eine geruhsame Nacht ein, JABULO schaukelt kaum, nur ganz selten schlägt mal eine Welle unter das Brückendeck. Andreas legt sich als erster hin, ich werde die erste Wache bis Mitternacht übernehmen. Bei 10 Knoten achterlichem Wind machen wir 3-4 Knoten Fahrt. Auch ich döse so vor mich hin. So gegen 11:00 frischt der Wind auf, ich bin begeistert, endlich können wir etwas schneller fahren, wir haben ja noch über 100 nm vor uns.

Die Segel beginnen zu flattern, ich muss etwas abfallen. Was ist da los?? Um 23:00 Uhr geht der Wind aus dem Nichts von 10 auf 20-25 Knoten hoch und dreht dabei von SüdSüdWest auf Nord bis Nordwest, so dass ich plötzlich nicht mehr raumschots, sondern hoch am Wind laufe. Ich ziehe die Schoten dicht und folge dem Wind, allerdings achte ich drauf, dass ich nie wirklich hart an den Wind gehe. JABULO beschleunigt wie eine Rennjacht. Bin ich froh, dass wir das Grossegel nicht voll gesetzt haben. Der scheinbare Wind geht trotzdem auf 25 Knoten, das ist eigentlich der Punkt zum Reffen, aber es wird nicht mehr. Mittlerweile läuft JABULO genau nach Osten, was soll’s, direkt gegenan geht sowieso nicht.

Jetzt sehe ich den Grund für den abrupten Wetterwechsel: An Backbord, also im Norden, blitzt es aus den Wolken, dort steht ein Gewitter. Ich beschließe, weiter nach Osten zu laufen und nachdem das Gewitter weiter gezogen ist, mit einer Wende wieder nach Norden zu drehen. So abrupt, wie die Bö gekommen ist, ist nach einer halben Stunde Schluss. Dafür aber richtig, es herrscht praktisch Windstille. Für 3 Stunden bis 03:00 Uhr halten Andreas und ich unser Schiff abwechselnd per Handsteuerung so, dass die Segel wenigstens immer beide auf einer Seite sind, immer in der Hoffnung nach frischem Wind. Dabei fahren wir kreuz und quer in alle Richtungen, die Strömung hilft auch nicht gerade. Um 02:00 schicke ich Andreas wieder schlafen. Ich traue mich nicht, ins Bett zu gehen, ich habe Angst, es könnte jeden Moment wieder losgehen.

Endlich um Viertel nach drei weht ein stabiler Wind mit 10 kn aus West, JABULO kann prima den gewünschten Kurs nach Portland halten, allerdings ist die See rau geworden, der Katamaran schaukelt und bockt lautstark in den seitlichen Wellen. Es ist kalt geworden, ich setze mich in den Salon. Gegen halb fünf bin ich echt müde und beschließe Andreas zu wecken, damit er übernimmt. Vorher will ich mir noch einen heißen Tee mit Rum as Schlaftrunk machen. Unten in der Kombüse höre ich plötzlich die Segel schlagen. Schon wieder ein abrupter Winddreher, die Genua steht back. Den Baum fahren wir wegen der Unstetigkeit des Windes an ganz kurzer Schot nur mit dem Traveller, so eine Patenthalse ist damit entschärft. JABULO liegt unfreiwillig beigedreht ruhig im Wasser. Ich vollende die halbe Halse mit einem kurzen Schub aus der Steuerbordmaschine und halse ein paar Minuten wieder zurück auf den richtigen Kurs.

Nun brauche ich Andreas nicht mehr wecken, der Krach von meinen Winschbe-tätigungen und vom Motor hat ihn ohnehin geweckt. Um 05:00 Uhr lege ich mich endlich hin, wegen des enormen Krachs der Wasserschläge und der abrupten Schaukel-bewegungen schlafe ich erst langsam ein und wache gegen 08:00 morgens wieder auf. JABULO läuft mit Halbwind 8 kn bei wolkenlosem Himmel und einem wunderschönen dunkelblauen Meer unserem Ziel entgegen. Eine harte See von bis zu 2 m mit Schaumkronen kommt von Backbord und schaukelt uns gehörig hin und her. Das Kielwasser schäumt hinter uns als wenn die Motoren liefen. Trotz der Schiffsbewe-gungen ein schönes Segeln. Beim Kaffetrinken im Salon sehen wir dann, dass das mit dem Schaukeln gar nicht so wild ist wie einem der eigene Gleichgewichtssinn meldet. Der Kaffee im Becher bewegt sich kaum die maximale Krängung beträgt nur 5°, im Extremfall sind es vielleicht 10°, mehr sicher nicht.

Der Wind hält bis zum Nachmittag, um halb fünf wird es ruhiger, wir laufen nur noch 3-4 kn. Dann haben wir völlige Flaute. So kommen wir heute nicht mehr nach Portland, es sind immerhin noch über 20 nm. Ich suche nach einem alternativen Ankerplatz und finde eine kleine Bucht ein paar Meilen weiter südlich, die 10 Meilen bis dahin werden wir motoren. Während der Motorfahrt gibt es Abendessen. Nach gut einer Stunde kommt plötzlich wieder kräftiger Wind auf, die anvisierte Bucht ist zu ungeschützt, also rum  mit dem Ruder, es geht doch nach Portland.

Die Einfahrt ist sehr gut betonnt, es ist ein Kinderspiel da rein zu fahren. Direkt beim Sonnenuntergang kommt uns die Norwegian Gem entgegen, ein riesiger Kreuzfahrer, der majestätisch an uns vorbei gleitet. Ob außer dem Rudergänger irgendjemand an Bord uns überhaupt bemerkt?? Es herrscht wieder völlige Flaute, als wir beim letzten, eher allerletzten Tageslicht an einem der offiziellen Ankerplätze zur Ruhe kommen. Wir sind das einzige Boot hier, um uns herum ist absolute Stille, nur einmal unterbrochen vom Krach eines startenden Verkehrsflugzeugs. Morgen früh sehen wir, wo wir gelandet sind.

29.- 30. Juni 2017 Portland

Als wir aufwachen, ist es bereits nach 09:00 Uhr. Man kann fehlenden Schlaf also tatsächlich nachholen, wenn auch nur zum Teil. Nach dem Frühstück mache ich mich daran, die per Dropbox runter geladenen Seekarten zu installieren. Trotz mehrerer Anläufe will es mir nicht gelingen. Ich sehe auf dem Bildschirm die Umrisse der Karten, die zu meiner Freude den gesamten Planeten abdecken, aber keine Details. Immerhin etwas. Wenn ich aber eine der Karten anklicke, passiert nichts. Die kostenlos zur Verfügung gestellten amerikanischen NOAA Karten ändern beim Aktivieren die Farbe der Umrandung. Nach ein paar weiteren Versuchen rufe ich über Skype Georg an, der mir die Karten zugesandt hat. Zusammen spielen wir die ganze Installation noch einmal zusammen durch. Georg ermutigt mich, immer weiter ins Bild rein zuzoomen, und siehe da, ab einer bestimmten Vergrößerung ist plötzlich alles vorhanden, jeder Ankerplatz auf Fidschi und den Aleuten, vor allem aber die demnächst benötigten Details für Kanada. Offensichtlich verwendet die NOAA eine andere Art der Codierung, so dass man immer mehrere Karten des gleichen Ortes parallel offen hat und dazwischen je nach gewünschter Detailgenauigkeit wechseln kann. Mal wieder was gelernt.

Inzwischen ist es fast Mittag, die Wolken werden immer dichter und es beginnt zu regnen. Aus dem Nieseln wird urplötzlich ein schwerer Platzregen, der mit einer Windbö von über 30 Knoten auf uns niederprasselt. Ich stehe mit den Händen an den Starterschlüsseln am Ruder für den Fall, dass der Anker sich losreißt. Aber er hält. Ich bin nach unseren diversen Ankerungen immer noch überrascht, wie gut er hält. Die hier übliche Windstärke 4 scheint überhaupt kein Problem darzustellen, im Hafen von Newport hatten wir zeitweilig 20-25 kn und heute einmal kurz über 30 kn. Trotzdem, wenn wir das Boot bei Wind alleine lassen, habe ich ein ungutes Gefühl.

Angesichts des Regens verschieben wir den geplanten Landausflug auf morgen. Ich schreibe stattdessen an meinem Reisebericht und nehme mir die Aufbereitung der riesigen MP3 Sammlung vor, die ich aus allen möglichen Quellen zusammen gesammelt habe. Damit man die Musik auf dem Smartphone vernünftig abspielen kann, müssen die MP3 Zusatzinformationen in einer sinnvollen Weise vereinheitlicht werden, sonst findet man überhaupt nichts. Zum Glück habe ich eine sehr gute Software dafür, mit dem Windows Explorer wäre das eine Arbeit von Jahren.

Wir essen Avocado, den Rest des gestrigen Nudelsalates und einen Salatteller, dazu Rotwein. Abends sehen wir zur Erheiterung „Die Unalten“, eine Reise dreier öster-reichischer Rentner, die eine uralte Motoryacht von Chicago nach New York überführen. Was denen so passiert, ist unseren Abenteuern zum Teil verblüffend ähnlich.

Es regnet die ganze Nacht hindurch mehr oder weniger, vormittags arbeite ich an meiner MP3-Sammlung, Andreas versucht sich weiter am Erlernen der englischen Sprache. Weil er dafür nur ein Wörterbuch zur Verfügung hat, tut er sich sehr schwer, die durchkonjugierten Verben findet er dort ja nicht. Außerdem gibt es für viele Wörter mehrere in der jeweils anderen Sprache, nur aus dem Zusammenhang wird klar, was gemeint ist.

Gegen Mittag ist das Wetter akzeptabel, wenn auch kalt. Wir fahren mit Klein-JABULO, wie ich das Dinghi mittlerweile getauft habe, die fast 2 Meilen in den Hafen hinein. Als erstes müssen wir Benzin nachfassen, in den Haupttank passen 4 Gallonen, in den Reservekanister noch einer. Beim Tanken legt neben uns ein Boot der Coast Guard an. Einer der Beamten spricht mich direkt an und fragt, was es mit JABULO unter ausländischer Flagge auf sich hat. Da auf dem Dinghi zwar der Name steht, aber keine Länderkennzeichnung, nehme ich an, dass die Küstenwache über unseren stets aktiven AIS-Sender weiß, dass wir draußen vor Anker liegen. Insbesondere will der Beamte wissen, ob wir unser Schiff beim Zoll angemeldet haben. Ich erkläre die ganze Geschichte mit dem Kauf in Virginia und biete an, dass er jederzeit an Bord kommen kann, wo ich alle Papiere habe. Er wünscht uns gute Reise, allzeit „Fair Winds“ und verabschiedet sich mit Handschlag. Bisher habe ich mit den US-amerikanischen Behördenvertretern gute Erfahrungen gemacht, alle waren höflich, zuvorkommend und auch hilfsbereit. Lediglich an den Flughäfen hat man manchmal den Eindruck, dass man nicht willkommen ist.

Ein paar hundert Meter weiter gibt es einen kleinen öffentlichen Dinghi-Steg der Stadt Portland zur freien Benutzung für bis zu 2 Stunden. Ich frage mich, wie das in der Saison funktioniert mit den vielen Besuchern. Wo parken die ihre Boote, wenn sie in die Stadt wollen? Fast überall, wo wir bisher waren, mussten wir länger nach einem Platz für unser Beiboot suchen, da praktisch alle Marinas privat betrieben werden und Nichtclubmitglieder einfach keinen Zutritt haben.

2510
Das jämmerliche Dinghi Dock

Wir schlendern an der an den Hafenanlagen entlang führenden Straße entlang und biegen dann ab in den alten Hafenstadtbereich, in dem sich wieder Imbiss an Imbiss, Cafe an Cafe reiht. Wir halten Ausschau nach einem Laden, indem wir Nachschub für unseren schwindenden Brotvorrat kaufen können. Banken und Immobilenhändler finden wir an jeder Ecke, aber zum Einkaufen gibt es nichts. Wir fragen ein paar Leute, aber anscheinend stehen wir wieder vor demselben Problem wie bereits an andern Orten. Ohne Auto kommen wir nicht in die Außenstadtbezirke, wo sich die Supermärkte angesiedelt haben. Wir könnten den Bus nehmen, den es hier immerhin gibt, aber wegen eines Brotes?? Wir kommen noch an einer Bäckerei vorbei, aber die ist ausverkauft und öffnet erst morgen wieder. Dass die Versorgung hier so umständlich und zeitaufwendig ist, hatte ich nicht erwartet?? Was machen denn die Tausende Yachtbesitzer, wenn sie vor Ort sind?? Wir genehmigen uns einen Espresso und ein Eis und fahren zu JABULO zurück, es sieht nach Regen aus.

Zum Abendessen wollen wir Süßkartoffeln mit Knoblauch-Yoghurt und Bratwurst machen, nur leider sind die Süßkartoffeln keine, sondern sie sehen nur so aus. Deshalb sind sie nicht ganz gar, aber egal, es gibt eben Kartoffeln al dente.

01. Juli 2017 Von Portland nach Pemaquid Harbor 38 nm

Die Kartoffeln al dente vom Vorabend ergeben heute Abend hervorragende Bratkartof-feln, aber dazu später. Erstmal sitzen wir beim Frühstück in dickem Nebel, um uns herum tutet und gongt es von allen Seiten, dazu hören wir das Wummern von Schiffs-motoren. So gegen 10 Uhr wird es etwas heller, wir sehen das Ufer, um elf gehen wir ankerauf, der nur ein paar hundert Meter entfernte Ausgang der Bucht ist jetzt endlich zu erkennen. 1 Meile außerhalb setzen wir Segel, die Sicht beträgt leider wieder nur noch 50-100 m. Eine Stunde später können wir zwar wieder 500 m weit sehen, dafür schläft der Wind ein, ab jetzt wird mit Motor gefahren. Viel gibt es nicht zu berichten, weil wir die an uns vorbeiziehenden Inseln, wenn überhaupt, nur schemenhaft erkennen können. Am Nachmittag klart es etwas auf, so dass wir die Ufer des Johns Sund, in den wir einlaufen, sehen können. Ein Anblick wie in Norwegen bietet sich; wenn die Holzhäuser rot anstatt grau gestrichen wären, wäre es nicht zu unterscheiden.

Für die Nacht wollen wir in den kleinen geschützten Hafen von Pemaquid einlaufen, wo wir vor jeglichem Wetter geschützt sind. Die Einfahrt ist einfach, doch die Suche nach einem Ankerplatz nicht, alles ist voller Mooringtonnen und im freien Raum ist die Wasser-tiefe eher zu knapp. Kurzentschlossen machen wir an einer freien Tonne fest und liegen für diese Nacht sicher. Jetzt gibt es besagte Bratkartoffeln mit Bratwurst und Spiegelei, zum Nachtisch gebratene Banane. Der heutige Filmabend endet an Bord mit Waterworld, draußen herrscht wieder dicker Nebel.

02. Juli 2017 Von Pemaquid Harbor nach Seal Bay 48 nm

Trotz des dichten Nebels brechen wir um 09:00 Uhr auf, wer weiß wie lange wir hier sonst fest sitzen. Vorsichtig tasten wir uns exakt auf dem Track der Herfahrt aus dem Hafen hinaus, die Sicht reicht gerade aus, immer das nächste ankernde Boot zu erkennen. Einmal draußen im Sund fahren wir mit 5-6 kn nach Süden, der Nebel reißt hin und wieder auf und offenbart herrliche mit Bäumen bewachsene Felsenküsten, eben wie in skandinavischen Fjorden. Am Ausgang des Sunds ist der Nebel ganz weg, wir drehen bei herrlichem Sonnenschein nach Osten und lassen die diversen fotogenen Leuchttürme und Ferienhäuser an Backbord vorüberziehen.

 

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Gegen vier Uhr nachmittags fahren wir in Carvers Harbor ein, um dort  zu übernachten und ein paar Vorräte nachzukaufen. Wie im Segelführer beschrieben liegen hier massen-haft Boote an Mooringtonnen, aber angeblich sollen immer welche frei sein. Was der Führer nicht schreibt, ist, dass die Tonnen so eng beieinander liegen, dass wir mit dem über 7 m breiten Katamaran kaum zwischen den Booten durchpassen. Einmal in das Gewirr reingefahren, bleibt mit nichts übrig als so lange im ZickZack dazwischen herum zu kurven, bis wir irgendwie wieder in der Einfahrtsrinne sind. Mehrere Male kann ich die engen Kurven nur mithilfe der beiden Maschinen hinkriegen, das Ruder würde es nicht schaffen. Wir sehen zwar mehrere freie Tonnen, aber der Raum ist so eng, dass ich es nicht riskiere, dort festzumachen. Zum Glück ist es noch nicht sehr spät, wir fahren wieder raus aus dem Hafen, ostwärts um die Insel herum und ankern in einer geradezu idyllischen Bucht namens Seal Bay, der Seehundsbucht. Apropos Seehund: Den ganzen Tag über tauchen neben JABULO Seehundsköpfe aus dem Wasser auf. Die kleinen Kerle schauen neugierig, was da für ein seltsames Fahrzeug vorbeikommt und tauchen dann wieder ab. Hin und wieder sieht man auch den Buckel eines Delphins.

In der von uns gewählten Ankerbucht liegt bereits eine Motoryacht, die wie wir hier über Nacht bleiben wird. Da der Wind sich fast völlig gelegt hat, hören wir jedes kleine Plätschern von Wellen am gegenüber liegenden Ufer, bei Sonnenuntergang herrscht eine derartig sanfte Stimmung, dass man hier ewig bleiben möchte. Im Kühlschrank finden wir noch ein Überbleibsel von Josephs Einkäufen, eine Schüssel griechische Olivenpaste. Als Vorspeise gibt es Nachos mit dieser Olivencreme, dann eine Reispfanne mit Gemüse. Nach dem Essen machen wir es uns draußen gemütlich, doch die Idylle wird empfindlich gestört. Die Im Wald lauernden Mücken haben ebenfalls ihr Abendessen gewittert und kommen zu uns rüber geflogen. Nach einer Stunde ist die Attacke vorüber und wir sitzen noch lange draußen und genießen die absolute Ruhe.

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