KW 25, ab 19. Juni

19. 20. Juni 2017 Newport

Die beiden nächsten Tage bleibt das Wetter neblig und kalt mit vereinzelten Aufhel-lungen, der Wind bläst fast beständig mit 12-16 Knoten, frischt an den Nachmittagen sogar bis auf über 20 Knoten auf. Der Anker hält zum Glück bombensicher.

Trotz des Sauwetters wird hier im Hafen immer gesegelt. Angefangen von den für Kurz-ausflüge genutzten alten 2-Mast-Schonern über die 12er Rennyachten bis runter zu den Optimisten ist immer was los. Anscheinend ist Segeln hier Schulfach, mehrfach wimmeln um unser Boot herum Gruppen von Optimisten mit Kindern an der Pinne, die unter Aufsicht eines Segellehrers Manöver üben. Hier wachsen die nächsten Gewinner des America’s Cup heran.

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Überall im Hafen wird gesegelt

Leider hat Andreas bei Walmart nicht alles bekommen, was wir benötigen. Deshalb fahren wir am Dienstag noch mal rüber und besorgen den Rest bei einem für US-Verhältnisse nahe gelegenen außerordentlich preiswerten Supermarkt. Ich probiere im Maritim-Center mit meinem Rechner das freie WLAN aus, es klappt wunderbar. Ich richte den vorliegenden Blog bei WordPress ein und versuche, mit der Konfigurierung klar zu kommen. Nach 3 Stunden ist der Akku leer und ich habe gerade erst so die Grundlagen hinbekommen.

Die Schiffsbatterien werden jeden Tag um ca. 10% tiefer entladen, am Abend des 20. sind wir auf 70%, Das heißt am nächsten Morgen wären es dann knapp über 60%, das ist noch absolut in Ordnung, aber viel tiefer sollte es nicht gehen. An den Abenden sehen wir uns die alten Clint Eastwood Western an: „Für eine Handvoll Dollar“ und „Für eine Handvoll Dollar mehr“

21. Juni 2017 Newport

Heute will ich endlich meine Texte in den Blog hochladen und wir müssen noch Wein, Rum, Spülmittel und die leckenden Schlauchverbindungen der el. Toilette besorgen. Andreas baut vormittags die undichten Rumpfdurchführungen im Bad aus, an Mittag packen wir unsere Sachen und fahren wieder ins Dinghi-Dock. Dort schließen wir das Boot und den Motor mit einem stabilen Stahlseil am Pier an, vielleicht tun wir den Leuten hier unrecht, aber sicher ist sicher.

Andreas fährt noch mal mit dem Bus raus ins Einkaufszentrum, ich besorge Spülmittel und Rum, dann packe ich im Maritim-Center den Rechner aus und kämpfe weiter mit dem Blog-Programm. Während draußen endlich die Sonne Oberhand gewinnt und es endlich warm wird, verstehe ich allmählich, wie man den Blog-Aufbau einrichtet. Einmal konfiguriert, ist das Hochladen der Texte dann einfach und schnell. Aber es wird dann doch nach fünf Uhr, bis ich alles bis dahin Geschriebene im Internet habe. Andreas kommt dann auch zurück und drängt mich aufzuhören, er hat Hunger. Im Maileingang finde ich eine Nachricht von potentiellen Mitseglern, die JABULO über Hand-Gegen-Koje gefunden haben und Interesse am Sommertörn von der Karibik nach Südamerika anmelden. Da muss ich noch schnell antworten und dann können wir zurück zum Schiff.

Es wird auch höchste Zeit, auf der anderen Seite der Bucht steht ein gewaltiger Gewitter-turm, aus dem es unten schwarz heraus regnet.

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Gewitter im Anzug

Da sollte man lieber auf dem Schiff bereit sein. Das Abendessen ist schnell gemacht, aus den schon gestern gekochten Pellkartoffeln wird im Handumdrehen Kartoffelsalat ala Schleswig-Holstein und die Frikadellen müssen nur aufgewärmt werden. Langsam kommt das Gewitter näher, es wird immer dunkler, die ersten Blitze sind zu sehen. Dann geht es ganz schnell, die ersten großen Regentropfen platschen aufs Deck, ein paar Minuten später schüttet es wie aus Kübeln, sogar Hagelkörner sind dabei. Der Wind ist schlagartig weg, JABULO dreht sich langsam mehrfach um den Anker. So plötzlich wie es angefangen hat, hört es auch auf mit dem Regen. Kurz vor Ende des Schauers treibt ein herrenloses Dinghi vorbei, Andreas rettet es mit unserem Beiboot und schleppt es zum wild gestikulierenden und rufenden Eigentümer zurück. Danach herrscht Stille, das Wasser liegt völlig glatt da und so bleibt es auch die ganze Nacht. Die Batterien sind um fast 10% voller als am Morgen, es geht wieder aufwärts mit der regenerativen Energie.

22. Juni 2017 Newport

Das gute Wetter hält, wir machen morgens auf vollkommen ruhigem Wasser auf, kein Wölkchen ist zu sehen Die Solaranlage produziert um 08:00 Uhr schon über 10 A. Nach dem Frühstück werden endlich die gestern bereits eingeklebten Wanddurchführungen angeschlossen, JABULO sollte jetzt endlich dicht sein. Andreas beginnt mit der Montage der letzten elektrischen Toilette, wenn das erledigt ist, ist unsere Arbeitsliste praktisch abgehakt. Es bleiben noch ein paar Dinge zu tun, die ich aber nicht anfassen werde, wenn wir mehr oder weniger täglich segelbereit sein müssen.

Ich schreibe mit Hochdruck meinen Blog weiter und schaffe es tatsächlich bis heute alles aktuell zu bekommen. Um 13:00 Uhr bin ich damit fertig und setze nach Newport über, um mich dort ins Internet zu hängen und alles hochzuladen. Andreas will die letzten Einbauten vornehmen, damit endlich Ruhe ist mit dem Schrauben. So gegen 16:30 Uhr habe ich alles fertig geschrieben, hochgeladen, formatiert und die Rechtschreibung einigermaßen kontrolliert.

Ich schlendere noch mal zu den Hafenkneipen, mache ein paar Fotos und genehmige mir draußen in der Sonnen in einem kleinen Restaurant eine Margharita und einen Burrito mit lauter Sachen drin, von denen ich nach den Angaben auf der Speisekarte nicht annähernd weiß, was es sein soll. Letztlich sind es dann diverse Gemüse, ein wenig pulled pork, ein paar Gurkenscheiben und eine scharfe Sauce. Das alles ist in eine Art Pfannkuchen gewickelt, sozusagen ein Döner auf mexikanisch, nur dass der Burrito 3mal so teuer ist. Ich hasse die Unmengen Eis im Drink, ohne die hier anscheinend überhaupt nichts serviert werden darf. Warum alles mit Unmengen Wasser verdünnen, bis es nach nichts mehr schmeckt?? Deshalb fische ich die Eiswürfel bis auf 2 Stück raus und kühle den neben mir stehenden Blumenkübel damit. Hinterher ist das vorher randvolle Glas nur noch zu einem Drittel gefüllt. Das ganze schlägt dann hinterher mit 25 $ plus Trinkgeld zu Buche. Mir ist es ein Rätsel, wie die Amerikaner bei ihren mit unseren durchaus vergleichbaren Löhnen das machen.

Der Wind hat inzwischen wieder seine hier offensichtlich normale Windstärke von 3-4 aus Südwest mit zeitweilig noch stärkeren Böen erreicht. Ich werde regelrecht nass, als ich mit dem Dinghi dagegen an zurück zu JABULO fahre. Wir machen alles startklar, morgen fahren wir weiter nach Martha’s Vineyard, das direkt auf unserem Weg liegt. Dort wollen wir das Wochenende verbringen, unter den Schönen und Reichen und den ganz schön Reichen.

23. Juni 2017 Von Newport nach Cuttyhunk Island 30 nm

Um 05:10 Uhr wache ich auf, es dem Tuten des Nebelhorns ist außer totenstill, das Schiff bewegt sich absolut gar nicht. Ein kurzer Blick aus der Cockpittür reicht, ich kann mich wieder hinlegen, draußen herrscht dichter Nebel. Um 07:00 bin ich wieder wach, jetzt kann man immerhin die Kaianlagen schemenhaft erkennen. Ich wecke Andreas, wir machen schnell Kaffee, bis wir unsere Wassertanks wieder gefüllt haben, ist hoffentlich wieder klare Sicht.

Das mit dem Wasserfassen erweist sich als komplizierter als gedacht. Der Angestellte in dem städtischen Maritim Office hatte uns gesagt, dass wir direkt dort am Steg fest-machen und uns bedienen könnten. Pustekuchen, wir haben die Leine noch nicht festgemacht, da kommt schon einer angerannt: Dies sei ein privater Steg, hier könnten wir nicht liegen, auch nicht für 15 Minuten und Wasser gebe es schon gar nicht für Nichtclubmitglieder. Nebenan wäscht zwar gerade einer mit voll aufgedrehtem Schlauch das Deck einer riesigen Motoryacht, aber man könne uns nichts abgeben. Wir fragen, wo es denn Wasser gibt, nach etwas Rumgefrage sagt uns der Offizielle, gleich um die Ecke ist die Tankstelle, dort sollten wir mal anklopfen. Wir verholen um 100 m, zwei freundliche junge Leute, Studenten, helfen uns beim Festmachen. Einer der beiden spricht uns auf Deutsch an, während des Wassertankens unterhalten wir uns auf Deutsch. Er erzählt mir, dass er an der Uni Deutsch als Sprachenwahlfach genommen hat, es aber leider kaum Gelegenheit zum Üben gibt. Man merkt deutlich, dass er die Sprache auf die akademische Weise lernt, seine Grammatik und der Satzbau sind einigermaßen korrekt, aber er sucht dauernd die richtigen Worte. Mit vollen Wassertanks legen wir ab, das Wetter hat auch inzwischen aufgeklart.

Gleich außerhalb der Hafeneinfahrt setzen wir die Genua. Wir müssen erst einmal aus der Bucht rauskreuzen, was nur mit Vorsegel nicht optimal ist, aber später werden wir dann halben oder raumschots Wind haben, da sollte das Vorsegel genügen. Gegen 11:00 Uhr sind wir draußen und von allen Untiefen frei gekreuzt, gehen wir auf 100° Kurs direkt in Richtung der vor uns liegenden Inseln. Anfänglich machen wir mit dem Vorsegel gute Fahrt, aber aus den 16 Knoten Wind werden 12 und dann nur 8 Knoten, zu wenig auch mit dem Großsegel. Nach einer Stunde unter Motor kommt der Wind wieder, es geht weiter. Um 15:00 ist abzusehen, dass wir es heute nie und nimmer bis Marthas Vineyard schaffen können. Ich ändere den Kurs nach Nordwesten und wir laufen in den Außenhafen von Cuttyhunk Island ein, wo wir im Außenhafen (Bucht) Schutz suchen vor dem Wind. Der Anker  fasst bei über 20 Knoten jedoch nicht, es gibt zuviel Seegras und Bewuchs am Grund. Also machen wir um fünf Uhr an einer der Mooringtonnen fest, wie zwei andere Segler auch schon. Prompt taucht der Hafenmeister auf und kassiert 40 $. Jetzt liegen wir sicher, zum Abendessen gibt es einen opulenten griechischen Salat mit überbackenem Knoblauchbaguette und Rotwein.

Der Wind wird immer stärker und es pfeift und heult im Rigg ganz gewaltig. Die Wolken werden immer dichter, das Barometer fällt, Schlechtwetter ist im Anzug. Wir schauen uns bei einem Tee mit Rum den dritten Film der Clint Eastwood Reihe, The Good, The Bad, and the Ugly an und legen uns dann bei fortwährendem Starkwind schlafen.

24. Juni 2017 Cuttyhunk Island

Auch heute herrscht um 05:00 wieder leichter Nebel, den Sonnenaufgang sehe ich nur schwach. Um 08:00 ist die Sichtweite bei 50 m, um 10:00 beginnt es zu regnen und ein Gewitter entlädt sich, dafür flaut der Wind etwas ab.

Ich nutze die Zwangspause, um ein paar Dokumente auszudrucken, auszufüllen, zu unterschreiben, und dann als Photos wieder nach Hause zu schicken. Das ist zwar etwas umständlich aber es geht. Zuerst muss ich die Dateien vom Smartphone auf den Computer kopieren, dann ausdrucken. Nach dem Unterschreiben mache ich Photos davon, die ich im Computer wieder in PDFs umwandele, aufs Smartphone lade und von dort per Mail zurücksende.

Am Nachmittag beruhigt sich das Wetter, die Front ist durchgezogen, das typische Rückseitenwetter mit kalter, klarer Luft setzt sich durch. Jetzt sieht man, woher das ständige Donnern der Brandung rührt, das uns seit dem Festmachen begleitet. In der schmalen südlich von uns gelegenen Durchfahrt brechen sich die Wellen und weiter draußen tobt eine hohe See, die ich lieber nur aus der Ferne betrachte.

Um 15:00 setze ich den Pizzateig an, heute wollen wir mal ausprobieren, was der Gasback-ofen kann. Einmal pro Stunde knete ich den Teig durch, damit er schön elastisch wird. Von der offenen Nordeinfahrt der Bucht hören wir hin und wieder ein Tuten, nach und nach laufen mehrere ein und machen an den Bojen fest. Anscheinend ist die Bucht das Ziel einer Regatta, es ist ja Samstag, das Tuten markiert den jeweiligen Zieleinlauf. Wir legen derweil von unserer Boje ab, noch mal 40 $ will ich nicht berappen, der Wind wird ständig weniger und siehe da, diesmal hält der Anker mit 20 m Kette gleich beim ersten Versuch.

Die Pizza wird mit Thunfisch und Zwiebeln belegt in den Backofen geschoben. Es dauert zwar eine halbe Stunde, bis wir sie rausholen können, aber sie ist absolut in Ordnung, auch wenn der Boden noch etwas weich ist. Zum Nachtisch gibt es Cornflakes mit Marmelade und Joghurt. Zum Schluss gibt es noch einen wundervoll farbigen Sonnenuntergang.

25. Juni 2017 Von Cuttyhunk nach Martha’s Vineyard

Auch wenn die kleine Insel sicher ein nettes Ausflugsziel für eine Wanderung darstellt, wollen wir weiter. Gleich um 08:00 Uhr setzen wir, noch am Anker hängend, das Großsegel. JABULO nimmt aber von alleine keine Fahrt auf, wir sitzen mitten im hinaus laufenden Ebbstrom. Nach dem Ankerlichten versetzt der uns schneller rückwärts als das Großsegel vorwärts, ich muss kurz den Backbordmotor starten und nachhelfen. Mit dem sofort anschließend gesetzten Vorsegel geht es dann aber voran.

Es wird ein wunderbarer Segeltag, anfänglich haben wir Wind von nur 6-10 Knoten raumschots, mit gemächlichen 3-4 Knoten gleiten wir um die Nordseite der Insel herum. Vor der Durchfahrt zwischen Nashawena Island und Pasque Island nehmen wir das Vorsegel runter und starten beide Maschinen, bei unserer langsamen Fahrt könnten wir in der engen Passage mit Namen Quicks Hole sonst Probleme bekommen. Kaum sind wir im Bereich der Strömung, werden wir auch schon von 3 Knoten auf über 8 Knoten über Grund beschleunigt. Am Südausgang passiert dann das Umgekehrte, am deutlich sichtbaren Zusammentreffen der Hauptströmung mit dem Ebbstrom reduziert sich die Geschwindigkeit wieder.

Mit vollen Segeln halsen wir uns gemütlich bei fast völlig stiller See in die Bucht von Martha’s Vineyard, wo wir 15:30 den Anker fallen lassen. Wie überall am Sonntag wimmelt es auch hier nur so von Segelschulen mit Optimisten, Regattaseglern, Kite-surfern und Motoryachten. Mitten durch das Chaos fahren im Halbstundentakt die Fähren, die die Insel mit dem Festland verbinden. Gegen 18:00 Uhr ist das Treiben vorbei.

Schon unterwegs hat 2-mal mein Telefon geklingelt, Nummer unbekannt. Ich sende eine SMS zurück und sage, dass ich jetzt Zeit hätte. Es melden sich Laura und Felix aus Hamburg, die mich bereits über Hand-gegen-Koje angemailt haben. Sie würden gern ab dem Frühjahr in der Karibik ein paar Monate mitsegeln. Wir absolvieren ein erstes gegenseitiges Kennenlernen und tauschen unsere Erwartungen aus. Wir verbleiben so, dass ich die beiden während meines Heimatbesuches im Oktober irgendwie besuchen werde, wenn ich zu meiner Verwandtschaft nach Norden reise.

Danach backen wir in Ruhe unsere zweite Pizza, diesmal mit Schinken und Oliven. Zum Nachtisch will Andreas Ananas mit Joghurt machen, muss dann aber feststellen, dass er stattdessen Hüttenkäse eingekauft hat. Von außen sehen die Becher gleich aus. Aber auch diese Kombination schmeckt uns. Nach dem Essen kopiere ich endlich meine Musiksammlung von einer der großen Harddisks aufs Smartphone. Über Bluetooth mit dem neuen Radio gekoppelt, hören wir dann bis spät in den Abend Musik, Blues, Grateful Dead und natürlich Pink Floyd. So langsam kann ich nach all der Action der vergangenen Monate auch mal in einen entspannten Modus umschalten. Um 9:00 Uhr gibt es uns zu Ehren als Krönung ein großes Feuerwerk auf dem 5 nm entfernten gegenüber liegenden Festland.

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